Römisch-Germanisches Zentralmuseum

Rundgang durch die Dauerausstellung »Römerzeit«

Das Römische Kaiserreich (Saal 1)

Das Römerreich hat sich aus einem kleinen Stadtstaat am unteren Tiber zum mächtigsten und beständigsten Großreich des Altertums entwickelt. Schon gegen Ende der republikanischen Epoche des römischen Staates (510-27 v. Chr.) stand der gesamte Mittelmeerraum nach den großen Eroberungen Caesars unter römischer Herrschaft. Doch erst Augustus, der seit 27. v. Chr. als princeps ("Der Erste") des römischen Volkes alle wichtigen politischen Ämter in seiner Hand vereinte, schuf unter formaler Wahrung der traditionellen republikanischen Institutionen die Voraussetzungen für eine straffe und gerechte Verwaltung der vielen Provinzen. Die sog. proconsularische Gewalt (imperium proconsulare) gab dem Kaiser die unmittelbare Herrschaft über die Grenzprovinzen mit dem stehenden Heer; er konnte damit eine ihm unmittelbar verantwortliche Provinzialverwaltung aufbauen.Augustus und seine Nachfolger vergrößerten das Reich, bis es unter Traian seine weiteste Ausdehnung erreichte. Zu Beginn der Kaiserzeit, also im 1. Jahrhundert n. Chr., nahm Italien innerhalb des Reiches noch eine deutliche Vorrangstellung ein, die aber immer mehr verlorenging. Unter Kaiser Caracalla wurden 212 n. Chr. die freien Bewohner der Provinzen den römischen Bürgern rechtlich gleichgestellt.Als die römische Republik im Rahmen ihrer Expansionspolitik die Herrschaft über weite Teile des Mittelmeerraumes gewann, gerieten Völker sehr unterschiedlicher kulturelles Niveaus in die römische Abhängigkeit. Roms Verhältnis zu seinen Reichsteilen war sehr unterschiedlich. Die hellenistischen Staaten im Ostmittelmeerraum, in denen die Tradition alter Kulturen fortlebte, behielten ihre Eigenart und wirkten wiederum selbst stark auf den römischen Westen ein. Im Westen, Nordwesten und Norden des Reiches begann hingegen eine intensive Romanisierung, die vor allem durch die Gründung neuer Städte in den Rechtsformen der colonia und des municipium gekennzeichnet war.

Der römische Staat war ein Ständestaat. Unter den römischen Ständen (ordines) trennte man genau zwischen der politisch maßgebenden Oberschicht und der Unterschicht. Die entscheidende politische und militärische Macht lag bei den oberen Ständen (ordines honestiores), bei der dünnen Führungsschicht des Kaiserhauses und der Senatoren (ca. 600 Menschen im 2. Jahrhundert n. Chr.) sowie beim Ritteradel und den Dekurionen (Ratsmitglieder und Magistrate der Landstädte). Dagegen hatten die aus Bürgern, Freigelassenen und Sklaven bestehende Unterschichten (ordines humiliores) keinen oder nur geringen politischen Einfluß, wenn auch Einzelpersonen zu großem Reichtum und manchmal auch zu politischem Gewicht gelangten.

Italien und die Provinzen (Saal 2-4)

Die Wirtschaft Italiens hat durch den Ruin des Kleinbauernstandes in der späten Republik noch in der Kaiserzeit gelitten. Man konzentrierte sich auf die Produktion edler Waren (Kunstwerke, Metallgefäße, Edelmetallgefäße, Gläser, Schmuck; Edelobst, Weine), war aber in den Grundnahrungsmitteln von den Überseegetreidimporten (Ägypten, Nordafrika) abhängig geworden.Die Gebiete, die Rom im östlichen Mittelmeerraum als neue Provinzen hinzugewann, nämlich Griechenland, Kleinasien, Syrien, Palästina und Ägypten, waren durch eigene, oft Jahrtausende alte Kulturtraditionen geprägt. Seit Alexander dem großen (* 356 + 323) waren diese Gebiete ferner durch das starke Vordringen griechischen Kulturgutes zu einem griechisch überlagerten Kulturraum von großer Ausstrahlungskraft geworden (Hellenismus). Die internationale hellenistische Kultur hatte bereits in republikanischer Zeit einen großen Einfluß auf Rom ausgeübt, der sich durch die sukzessive Eingliederung hellenistischer Staaten immer mehr verstärkte: Makedonien, Griechenland, Westkleinasien, ganz Kleinasien, Syrien und Palästina und schließlich Ägypten wurden zwischen 168 und 31 v. Chr. annektiert. Die Folge war, daß das Römerreich ein zweisprachiges Weltreich war, auch dies ein in der Geschichte bis dahin noch nicht erlebtes Phänomen: Im Osten war das Griechische die Umgangs- und Kultursprache.Für die Nord- und Westprovinzen brachte das Eindringen römischer Zivilisation entscheidende Veränderungen mit sich. Manche keltische Siedlungen (oppida) wurden von der Höhe in die Ebene verlegt. Systematisch wurde besonders die Neugründung von Städten als Mittel der Romanisierung betrieben. Damit legten die Römer den Grundstein für die kulturelle Entwicklung Mittel- und Westeuropas bis weit über das Ende des Reiches hinaus. Die Siedlungskontinuität bewahrte die römischen Namen vieler Städte bis heute: Allein am Rhein finden sich von Basel über Straßburg, Speyer, Worms, Mainz, Bingen, Koblenz, Bonn und Köln bis nach Xanten und ins holländische Nimwegen römische Gründungen. Die Ausbreitung der lateinischen Sprache sollte von größer Bedeutung werden, bildete das Latein doch über das heidnische Rom hinaus die Sprache der christlichen Kirche und dann im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Basissprache der Politiker und Gebildeten.

Das Militär (Saal 5)

Das römische Heer der Prinzipatszeit zwischen Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) und dem späten 3. Jahrhundert n Chr. war ein stehendes Berufsheer von mindestens einer Viertel Million Mann; manche Schätzungen liegen sogar noch erheblich höher. Es bestand zunächst aus den regulären Legionen (legiones) römischer Bürger und aus den Hilfstruppen (auxilia), die sich aus Bewohnern der Provinzen rekrutierten. Die Dienstzeit betrug 20 bzw. 25 Jahre. Die bis zu 6000 Mann starke Legion gliederte sich in 10 Kohorten (cohors)zu je 480 Mann mit einer doppelt so starken 1.Kohorte, wobei jede Kohorte aus 6 Centurien (centuria) zu je 80 Mann bestand. Dem Legionslegaten (legatus legionis) unterstanden als hohe Offiziere die Militärtribunen (tribunus militum) sowie die erfahrenen Truppenoffiziere, die Centurionen. Die Hilfstruppen bestanden aus Infanterieeinheiten (cohors), aus gemischten Fuß- und Reitertruppen (equitata), sowie aus reinen Kavallerieeinheiten (ala), die 500, in Einzelfällen auch 1000 Mann stark waren. Zum Heer gehörten die Mittelmeer- und Flußflotten sowie die Spezialeinheiten der Prätorianergarde und anderer Sicherungsmilizen in Rom und Italien.Eine original römische Entwicklung der frühen Kaiserzeit scheint wohl nur der Schienenpanzer zu sein, die lorica segmentata. Alle anderen Bewaffnungen scheint man von umliegenden Völkern übernommen zu haben, so das Kurzschwert und den Dolch von den Spaniern, das Kettenhemd von den Kelten, den Schuppenpanzer und den Muskelpanzer von den Griechen, die eisernen und bronzenen Helme in Kombination von Etruskern und den Kelten.

Wirtschaft und Verkehr (Saal 6)

Die Grundlage der römischen Wirtschaft war durch alle Zeiten hindurch die Landwirtschaft, mit der die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt verdiente, sei es als Großgrundbesitzer oder als Kleinbauer, als Pächter oder Gelegenheitsarbeiter. Bedeutung für die Gesamtwirtschaft besaßen aber auch Handwerk und Handel. Bei einigen Handwerkszweigen z. B. Töpferei und Metallbearbeitung, gab es bereits Serienproduktionen.Bei den Werkstätten handelte es sich meistens um private Kleinbetriebe mit wenigen Sklaven. Großbetriebe wie Steinbrüche oder Ziegeleien gehörten manchmal dem Kaiserhaus, das auch ausgedehnte Ländereien besaß. Einen wichtigen Wirtschaftsfaktor stellte auch das Heer mit seinen eigenen Höfen, Ziegeleien, Töpfereien usw. dar. Der Handel innerhalb des Reiches fand nicht in einer Freihandelszone statt: das Reich war vielmehr in einige große Zollbezirke unterteilt, wobei man beim Warentransport über die Zollgrenzen hinaus eine Abgabe in Höhe von 2,5% des Warenwertes zu entrichten hatte. Andererseits waren das einheitliche Münzsystem und einheitliche Maße und Gewichte eine große Hilfe für den Handel. Das seit Augustus gebräuchliche Münzsystem (Aureus, Denar, Sesterz, Dupondius, As) blieb gut 200 Jahre gültig und wurde erst in der Spätantike verändert.Mit der Schaffung des Euro (€) am 1. Januar 2001 n. Chr. wurde in Europa und am Mittelmeer wieder ein einheitliches Münzsystem eingeführt, welches mit dem System der Römerzeit geographisch vergleichbar sein wird.

Wissenschaft und Technik (Saal 7)

Römische Wissenschaft und Technik knüpften an Erkenntnisse und Erfindungen der Griechen an. Für Astronomie und Mathematik, Geographie und Medizin, Zoologie und Botanik, Maschinenbau und Kriegstechnik haben die Griechen des 4. bis 2. Jahrhunderts die Grundlage geschaffen.- Für die medizinische Forschung und Praxis spielten die zu großen Kurzentren gewordenen Heiligtümer des Gottes Asklepios/Aesculapius in Epidauros/GR, Kos/GR und Pergamon/TR eine sehr wichtige Rolle. Die römerzeitliche Sitte der Arztgräber, bei der ein toter Arzt alle oder etliche medizinische Instrumente ins Grab mitnahm, ermöglicht es, eine exakte Typologie des antiken chirurgischen Instrumentariums zu erhalten.- In Alexandria/Ägypten bestand das von den ptolemäischen Königen im 3. Jahrhundert v. Chr. begründete "Mouseion", ein überdisziplinäres Forschungsinstitut, fort. Der Astronom und Geograph Claudius Ptolemaeus schuf im 2. Jahrhundert n. Chr. eine Weltkarte und einen Fixsternkatalog (Almagest).- Heron von Alexandrien konstruierte technische Geräte wie rotierende Dampfkolben und Visierinstrumente, aber auch Geschütze (Katapulte). Die hellenistische Wissenschaft war die Grundlage für mechanische Musikinstrumente (Orgel) wie auch für die Zeitmessung (Kalenderuhr) und Astromomie der Römerzeit.

Religion und Totenkult (Saal 8)

Die Römer waren den Göttern anderer Völker gegenüber nicht nur tolerant, sondern auch bestrebt, sich ihrer Hilfe zu versichern. Zunächst traten zum Kreis der altrömischen Natur- und Hausgottheiten die Götter der von Rom eroberten italischen Gemeinden. Eine weitere Stufe des veränderten religiösen Bewußtseins war die Übernahme der griechischen Olympischen Götter. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. und noch verstärkt in der Kaiserzeit fanden orientalische Kulte den Weg nach Rom: Die ägyptische Isis und ihr Gefolge, die orgiastischen Kulte des Dionysos-Bacchus und der kleinasiatischen Kybele-Magna Mater sowie der aus Iran stammende Mithraskult. Seit dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. breitete sich auch das monotheistische Christentum immer weiter aus.- Im ganzen Reich lebten daneben lokale Kulte fort, z. B. in Niedergermanien in der Köln-Bonner-Region der Matronenkult . Oft wurden die lokalen Götter mit römischen Namen identifiziert, was der Historiker Tacitus die interpretatio Romana nannte.Staatsrechtlich verbindlich war seit Augustus allein der Kaiserkult, dessen Verweigerung gegen die Staatsordnung verstieß. Dies war ein wesentlicher Grund der Christenverfolgungen.Im 3. Jahrhundert führte Kaiser Aurelianus (270-275) den Kult des unbesiegten Sonnengotten (Sol Invictus) ein, der Elemente verschiedener Religionen in sich vereinigte.

Die Krise des Reiches (Saal 9)

Die Reichskrise begann nicht mit dem 3. Jahrhundert, sondern setzte bereits in der Zeit des Kaisers Marcus Aurelius (161-180 n. Chr.) ein: Kriege gegen die Germanen im Norden und die Perser (Parther) im Osten, Wirtschaftsprobleme, Pestepidemien belasteten schon damals das Reich außerordentlich. Im Laufe des 3. Jahrhunderts freilich geriet das Reich an den Rand der Auflösung. In der Außenpolitik kam die schwierige Situation durch etliche katastrophale Niederlagen des Heeres gegen die Germanen und gegen die Perser, die 259 den Kaiser Valerianus gefangennahmen. Das Militär war noch nach den offensiven Grundsätzen der frühen Kaiserzeit organisiert und war den defensiven Aufgaben gegen mächtige Feinde nicht mehr recht gewachsen.Das Schwinden der kaiserlichen Autorität führte zu zahlreichen Militärrevolten, die einen häufigen Wechsel auf dem Kaiserthron zur Folge hatten. Im Westen (Gallien) und im Osten (Palmyra und Syrien) kam es zeitweilig zu Sezessionen militärisch und wirtschaftlich wichtiger Regionen. Währungszerfall und nachlassende Wirtschaftskraft sowie Probleme der innereren Sicherheit (Räuberbanden) taten ebenso wie periodische blutige Christenverfolgungen das Ihre, das Reich immer tiefer in den Zerfall zu führen.Unter Kaiser Gallienus (253-268 n. Chr.), als das Reich fast nur noch auf dem Papier bestand, erfolgten freilich auch die ersten Gegenmaßnahmen (Gallienus schuf eine bewegliche Einsatzkavallerie als Kriseninstrument). Die aus Illyrien (Balkan) stammenden Kaiser der Folgezeit wie Aurelianus (270-275) und die Tetrarchen unter Diocletianus (ab 284) reformierten das Reich an Haupt und Gliedern.

Das spätantike Reich wird in Saal 1 der Ausstellung Frühes Mittelalter (2. Stock) gezeigt.

 

Adresse

Römisch-Germanisches Zentralmuseum

(im Kurfürstlichen Schloss)

Ernst-Ludwig-Platz 2

55116 Mainz

 

Öffnungszeiten

10 - 18 Uhr

Montags geschlossen.

 

Führer zur Ausstellung Römerzeit (25 S. mit 20 farbigen Abb.; 3,- €)

erhältlich im Museumsshop