Sind Byzantinistik und Historical Geographic Information Systems (HGIS) ein Widerspruch in sich?

Wissenschaftscampus Mainz

Veranstaltungen im Sommersemester 2012

Montag, 21. Mai 2012, 18 Uhr

Vortrag: Sind Byzantinistik und Historical Geographic Information Systems (HGIS) ein Widerspruch in sich?
PD Dr. Mihailo Popović (Wien)

In den vergangenen 30 Jahren zeigen sich im Rahmen der Geisteswissenschaften verstärkt Tendenzen, technische Neuerungen aus dem Bereich der Geoinformatik in die tägliche wissenschaftliche Arbeit einfließen zu lassen. Mittlerweile sind Abkürzungen wie GPS (Global Positioning System), GIS (Geographic Information Systems), DEM (Digital Elevation Model) etc. in der geisteswissenschaftlichen Sekundärliteratur omnipräsent.

Es wurde in der Vergangenheit schnell deutlich, daß eine Anwendung bzw. technische Umsetzung der obengenannten Innovationen gerade im Rahmen der Byzantinistik eine Vielzahl unterschiedlicher Datenbausteine erfordert. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist die Arbeit des Großprojektes Tabula Imperii Byzantini (TIB) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) als geradezu ideales Fundament für weiterführende Forschungen unter Zuhilfenahme der Geoinformatik geeignet.

Den integralen Bestandteil eines erfolgreich abgeschlossenen FWF-Einzelprojektes des Vortragenden im Rahmen der TIB mit dem Titel „Economy and Regional Trade Routes in Northern Macedonia (12th-16th Century)“ (P 21137-G19) stellt die Anwendung des HGIS auf verschiedene Gruppen von Quellen dar. Schriftliche Quellen, archäologische Evidenz, bildliche Quellen (Stadtpläne und Landkarten des 19. Jh.), Geodaten (GPS Wegpunkte, GPS Tracks) und Erkenntnisse aus Forschungsreisen vor Ort wurden mittels GIS verarbeitet. Auf diesem Wege enstanden regressive Modelle, mit denen die Reproduktion bzw. Prädiktion mittelalterlicher Verkehrsrouten („least-cost path“-Modelle) möglich ist, sowie Zeitachsen (Timelines) zu Siedlungsentwicklungen über Google Earth programmiert und Verluste von Siedlungsflächen in Städten über Georeferenzierung alter Karten erfaßt werden können. Weiters wurden mit netzwerkanalytischer Computersoftware Zentralitätsfaktoren von Orten in Transport- und Siedlungsnetzwerken errechnet. Alle gewonnenen Erkenntnisse sind zudem in die Habilitationsschrift des Vortragenden eingeflossen.

Ziel des Vortrages ist es aufzuzeigen, daß das Fach der Byzantinistik in keinem Widerspruch zu HGIS steht, sondern vielmehr den Weg zu den Digital bzw. Spatial Humanities zu beschreiten vermag.

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