Restaurierung und Archäologie 4/2011
Zusammenfassung / Abstract
Barbara Niemeyer
Die folienversilberte Statuette eines Bacchus aus Liebenow/Lubanowo, Westpommern, PL
Die Statuette von 32,9 cm Höhe ist unvollständig erhalten: Es fehlen der linke Arm, der linke Unterschenkel und die Kalotte. Bei einer Altrestaurierung vor ihrem Ankauf in die Königlichen Museen 1877 sind abstehende Silberfolienkanten und der rechte Arm mithilfe größerer Mengen Weichlot am Statuettenkörper aus Messing fixiert worden. Außerdem war die Silberplattierung komplett schwarz sulfidiert. Die Neurestaurierung erfolgte für die Ausstellung römischer Kleinkunst aus germanischem Gebiet im Neuen Museum, eröffnet im Oktober 2009. Das Silbersulfid wurde elektrochemisch mit Puderzink und Aceton reduziert, die alten Weichlötungen mechanisch entfernt. Die abstehenden Folienkanten wurden mit Cellulosenitrat gesichert und der rechte Arm mithilfe eines Acrylglasstabes in einer Muffe aus Polyvinylbutyral, angedickt mit Hohlglaskügelchen, in der Armöffnung neu montiert. Außerdem wurden die Schnittmuster der Silberplattierungsbleche abgenommen und die wahrscheinliche Technik der Versilberung rekonstruiert. Die einzelnen Silberbleche der Plattierung müssen durch Treibziselieren recht genau an den Statuettenkörper angepasst und zuletzt mit einem organischen Klebstoff befestigt worden sein. Zum Vergleich wurde ein abgebrochener Statuettenarm mit Resten einer Folienversilberung aus den Beständen der Antikensammlung Berlin herangezogen. Hier konnte eine Weichlötplattierung beobachtet werden, bei der die Silberfolie flächig mit Weichlot auf dem Statuettenkörper befestigt war. Bei vergleichbaren Statuetten wurden bislang keine Untersuchungen zu Form und Befestigungstechnik der Plattierungsbleche durchgeführt.
The silver plated Bacchus statuette found in Liebenow/Lubanowo, Western Pomerania, PL
The statuette of 32.9 cm in height is fragmentarily preserved; left arm, left leg and skullcap are lost. In course of a restoration carried out before the statuette was acquired by the Prussian Royal Museums in 1877, off-standing silver foil edges and the right arm were fixed to the brass statuette with huge amounts of a lead-tin solder. Further on, the silver surface was completely covered by black silver sulphide. The conservation was carried out to display the statuette in the exhibition of Roman art from Germanic regions in the Neues Museum/New Museum on the so-called Berlin Museum Island opened in October 2009. Silver sulphide was electrochemically reduced using zinc powder and acetone; old soft solder was removed mechanically. Off-standing edges of silver foil were fixed using cellulose nitrate adhesive. The right arm was mounted in a socket built up from polyvinylbutyral strengthened with micro balloons. Paper patterns of the seven remained silver foils were taken to reconstruct the silvering technique. The foils must have been extensively worked by hammering to fit as close as possible to the brass body of the statuette where they have probably finally been fixed by an organic adhesive. For comparison, a single bronze arm with foil silvering was also studied. Here, the silver foil was applied using a lead-tin alloy soft solder. On other technically comparable statuettes no investigations on the silver foil application techniques were hitherto carried out.
Information & Bestellung
Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Zeitschrift Restaurierung und Archäologie
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz
Kontakt:
Christian Eckmann (Redaktion) red.ra(at)rgzm.de
Restaurierung und Archäologie
Bitte laden Sie das Bestellformular herunter und schicken Sie es an den Verlag des RGZM.
