Verlag des RGZM
Monographien des RGZM
Falko Daim, Ernst Lauermann
Das frühungarische Reitergrab von Gnadendorf (Niederösterreich)
Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Band 64 Hradcover (2006)
VIII, 308 Seiten, 197 Abbildungen, 12 Farbtafeln
ISBN 978-3-88467-094-1; 48 €
Das frühungarische Reitergrab von Gnadendorf ist aus verschiedenen Gründen außergewöhnlich. Zunächst die Lage, denn es wurde rund einen Tagesritt vom damaligen ungarischen Siedlungsgebiet entfernt angelegt. Des Weiteren die bestattete Person: Das Grab enthielt das Skelett eines 14-jährigen, kampferfahrenen Jungen, der überdies an einer tückischen Krankheit litt, dem „Klippel-Feil-Syndrom“. Drittens die vorzügliche Ausstattung: Der Tote trug ein wertvolles Seidengewand, an dem offenbar 10 Silbermünzen von einem Kriegszug nach Italien am Ende des 9. Jahrhunderts aufgenäht worden waren, dazu kam ein prächtiger, mit vergoldeten Silberbeschlägen verzierter Säbel, dessen Griff mit Rochen- oder Haifischhaut überzogen war. Neben dem Knaben fand man Schädel und Füße eine Pferdes, dazu Trense und Steigbügel sowie Reste einer Speisebeigabe: Pferdefleisch und dazu das passende Messer.
Das Grab wirft einige grundlegende Fragen auf, denn sämtliche Fundgegenstände scheinen lange in Gebrauch gewesen sein, sie sind stark berieben oder sogar repariert. Dazu kommen zwei 14C-Datierungen, die einen Bestattungszeitpunkt erst um 1000 ergeben haben. Wenn die naturwissenschaftlichen Datierungen zutreffen, warum hat man den Knaben weit weg von den ungarischen Siedlungen mit wertvollen aber teils sehr alten Sachen bestattet? Wenn man bedenkt, dass die Jahrtausendwende die Zeit einer vollkommenen Umstrukturierung des ungarischen Stämmebundes war, die zu einem „modernen“ mittelalterlichen Staat auf christlichen Grundlagen führte, könnte es sein, dass die Bestattung von Gnadendorf als Demonstration gegen die „Verwestlichung“ des früher so gefürchteten ungarischen Stämmebundes gedacht war.
Das vorliegende Buch enthält neben einer detaillierten Fundvorlage zahlreiche Studien, die „den Fall Gnadendorf“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
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