Eine jungneolithische Höhensiedlung

Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus

In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen untersucht das Römisch-Germanische Zentralmuseum gemeinsam mit dem Seminar für Vor- und Frühgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Besiedlung des Kapellenbergs bei Hofheim.

Die Untersuchungen finden im Zuge eines Projektes von Prof. Dr. Detlef Gronenborn (RGZM / Uni Mainz) zur Dynamik jungsteinzeitlicher Gesellschaften am nördlichen Oberrhein und Mittelrhein statt. Von Seiten des Hessischen Denkmalamtes ist Dr. Udo Recker beteiligt, sehr unterstützt wird das Vorhaben von der Stadt Hofheim und HessenForst. Die Fachhochschule Mainz (i3mainz) unternahm die Vermessungsarbeiten. Die bodenkundlichen Untersuchungen werden von Prof. Dr. Wolfgang Wilcke vom geographischen Institut der Universität Mainz angestellt, somit ist das Projekt auch eingebunden in das Forschungszentrum Erdsystemwissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität.

Eine erste Grabung fand 2008 unter der Leitung von Nadine Richter M. A. statt. Ziel dieser Untersuchungen war es, die nördliche Abschnittswallanlage zu datieren. Bislang galt sie als eisenzeitlich oder mittelalterlich, aber eine Neuaufnahme der dortigen Funde signalisierte, dass es sich fast ausschließlich um Keramik und Steinartefakte der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur (4400 – 3600 v. Chr.) handelt.

Wallschnitt 2008

Der Schnitt aus dem Jahr 2008 durch den Wall zeigte nun, dass dieser mindestens drei Phasen aufweist. Zunächst wurde ein Graben für eine Palisade ausgehoben, später wurde dieser Graben wieder verfüllt und darüber ein kleiner Wall angelegt der in einer weiteren Phase noch erhöht wurde. Dann stand das Gelände wohl einige Zeit offen, abschließend wurde noch eine Schicht aufgetragen. Das gesamte Fundmaterial aus dem Wall ist steinzeitlich und dürfte der Michelsberger Kultur zugehören. Die bodenkundlichen Untersuchungen des Schichtenaufbaus durch Prof. Wilcke und die diese begleitenden Radiocarbonmessung wiesen nun nach, dass der Wall mit Sicherheit vorgeschichtlich ist und wohl die einzelnen Phasen kurzfristig aufeinander folgten. Eine genauere Datierung ist derzeit in Bearbeitung.
Die Holzkohlereste und botanischen Proben wurden von Frau Prof. Dr. Angela Kreuz vom Landesamt für Bodendenkmalpflege Hessen in Wiesbaden durchgeführt. Die Funde und Befunde sowie die zeitgleichen Siedlungsstellen aus der Umgebung des Kapellenberges werden derzeit von Frau Nadine Richter M. A. im Zuge ihrer Dissertation aufgearbeitet.



Grabung 2009


Die Grabung 2009, weitestgehend finanziert von der Stadt Hofheim, wurde von Bettina Hünerfauth geleitet und widmete sich einem kleinen Vorwall nördlich des Abschnittswalles dessen Errichtungszeit und –phasen es ebenfalls zu klären galt. Die Grabung erbrachte mögliche Hinweise auf ein Palisadengräbchen, das in einer späteren Bauphase - wohl mit Aushub aus dem Graben - überschüttet wurde. Leider konnten die Bauphasen des Hauptwalles nicht genau mit denen des Vorwalles zeitlich abgeglichen werden. Archäologisches Fundmaterial wurde im Vorwall nicht geborgen, was aber wahrscheinlich macht, dass die Wallanlage am nördlichen Ende der besiedelten Fläche errichtet wurde.
Bislang lässt sich sagen, dass der Kapellenberg im Rhein-Main-Gebiet einer der größten Fundplätze aus der Michelsberger Kultur ist und damals wohl einer der wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkte der Region darstellte.

Literatur

Richter, Nadine; Gronenborn, Detlef; Recker, Udo. (2009) Was lange wehrt, wehrt gut – die michelsbergzeitliche Befestigungsanlage auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. hessenARCHÄOLOGIE 2008/2009, 33–35.

 

 

Am 5.8.2008 besuchte das Team vom HR/Hessenschau die Grabung
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