Kapellenberg: ein Fundplatz mit europäischer Bedeutung – vor 6000 Jahren und heute

Die dritte Grabung am Kapellenberg hat wichtige neue Erkenntnisse zum Aufbau der seitlichen Wälle um das Siedlungsplateau erbracht. Nun wird die Gesamtkonzeption und Entwicklung der über 60 ha großen Anlage greifbar.

An der diesjährigen Untersuchungsstelle ist der Aufbau des westlichen Flankenwalles zu erkennen, der offenbar über einer Brandschicht aufgeschüttet wurde. Sichtbar sind mehrere Schüttungsphasen, deren zeitliche Stellung zueinander noch unklar ist. In der Brandschicht fand sich Keramik und Holzkohle. Insbesondere die Holzkohle wird für die genaue Datierung wichtig werden. Die in der nächsten Woche endende Grabung wurde ausgerichtet vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit der hessenARCHÄOLOGIE und unterstützt von der Stadt Hofheim.

Anhand der bisherigen Grabungen und beginnenden Analysen von 3D-Geländemodellen zeichnet sich ein komplexes System von aufeinander folgenden Befestigungen ab, von denen einige heute kaum noch sichtbar, andere aber wiederum ausgezeichnet erhalten sind.
So hatte die Erosion im Bereich der jetzigen Grabung über die Jahrtausende wenig Angriffsfläche gefunden, so dass der Wall dort noch ausgezeichnet erhalten ist. Kaum sichtbar ist jedoch ein innerer Wall, der die eigentliche Siedlungsfläche umschließt. Dennoch soll dieser und zusätzliche Bereiche der Innenfläche in den nächsten Jahren untersucht werden.

Im Inneren hatte sich einst eine Siedlung mit vielleicht hunderten von Häusern befunden, deren maximale Einwohnerzahl 7000 Personen umfasst haben könnte. Der Kapellenberg lag an einem jungsteinzeitlichen Fernwegenetz, über das vielleicht Salz aber auch kostbare Steinbeile zwischen Mitteldeutschland sowie West- und Südfrankreich gehandelt wurden.

Website des RGZM zum Kapellenberg

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