Verlag des RGZM

Monographien des RGZM

Thomas Zimmermann
Die ältesten kupferzeitlichen Bestattungen mit Dolchbeigabe Archäologische Untersuchungen in ausgewählten Modellregionen Alteuropas
Monographien RGZM Band 71 (2007), 179 S. 70 Abb.; ISBN 978-3-88467-114-6; 55 €  

 

Die Waffengattung der Dolche besitzt traditionsgemäß einen eher zweifelhaften Ruf. Als Tötungsinstrument von Meuchelmördern spielt sie eine verachtete Rolle, so beispielsweise bei der Ermordung Julius Caesars. Leicht zu verstecken und mit schnellem Reflex zu handhaben, wird diese doppelschneidige Stichwaffe vorrangig mit verdeckten, hinterrücks geführten Attacken in Verbindung gebracht, versinnbildlicht gleichzeitig aber auch eine direkte, unmittelbare Konfrontation mit dem betreffenden Gegner. Auch in vorgeschichtlicher Zeit nimmt der Dolch eine hervorgehobene Stellung innerhalb der Nahkampfwaffen ein, deren älteste datierbare Vorformen in Vorderasien bis in das 9. vorchristliche Jahrtausend zurückreichen. Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. spielt der Dolch schließlich im Rahmen der endneolithisch/kupferzeitlichen ›Glockenbecherepoche‹ (Mitte 3. Jahrtausend v. Chr.) im Vorfeld der ›klassischen‹ Frühbronzezeit (spätes 3. und frühes 2. Jahrtausend v. Chr.) eine zentrale Rolle beim Grabritus. Diese Studie erfasst und analysiert einschlägige geschlossene Einzelgrabbefunde Mitteleuropas mit hauptsächlich Silex- oder Metalldolchbeigabe des 3. Jahrtausends v. Chr. Um sich dem Problemkomplex jedoch möglichst umfänglich zu nähern, werden auch die frühesten Belege zweischneidiger Stichwaffen Ost- und Südosteuropas, Westkleinasiens sowie dem prädynastischen Ägypten in ihrem grabrituellen Umfeld mit berücksichtigt. Neben der Diskussion chronologischer Aspekte dieser Bewaffnungssitte steht die Frage nach der Genese und Verbreitung formaler und technologischer Traditionen der Dolche im Zentrum. Dies führt letztendlich zu sozialgeschichtlichen Überlegungen, inwiefern der Dolch generell als statusbildendes Zubehör verstanden werden darf.

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