Frühe Staatlichkeit

 

Forschungsprojekt: Reiterkrieger, Burgenbauer

Die frühen Ungarn und das "Deutsche Reich" vom 9. bis zum 11. Jahrhundert

Frühe Staatlichkeit / Stefan Albrecht

 

Ziel des Teilprojektes „Frühe Staatlichkeit“ ist es, in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Historikern, Archäologen und Ethnologen zu erörtern, welchen Einfluss die sog. Ungarnstürme auf Prozesse der Zentralisierung von Herrschaft oder Macht gehabt haben mögen. Ausgangspunkt dafür ist, dass in der Forschung stets postuliert worden ist, der sog. Ungarnsturm habe einen wesentlichen Anteil an der "Staatswerdung" des „Deutschen Reiches“ gehabt. Natürlich sind mittlerweile nationalromantische und nationalistische Töne aus dem Repertoire des Diskurses verschwunden, gleichwohl ist das Paradigma erhalten geblieben, dass die Ungarnstürme und insbesondere die Schlacht auf dem Lechfeld 955 von „kaum hoch genug zu veranschlagender“ „Bedeutung für die Einigung der Stämme in dem … Herrschaftsbereich Ottos I.“  gewesen seien. Dabei ist einerseits die Rede von einer Stärkung des „Wir-Gefühls“, andererseits heißt es, dass dieser Sieg Otto d. Gr. „bestärkt [habe], den Weg des Eintritts in die karolingische Nachfolge fortzusetzen.“ (G. Althoff).

Im Rahmen des Teilprojektes soll erklärt werden, wo äußerer Druck in einem polyzentrischen Gebilde personalisierter Herrschaft einer „Königsherrschaft ohne Staat“ zentralisierend hat greifen können. Ferner sollen Methoden gefunden werden, mittels derer Zentralisierungsprozesse in den Quellen sichtbar gemacht werden können. Dazu wird nach Analogien bei ähnlich gelagerten Prozessen außerhalb des Regnum francorum orientalium zu suchen sein.