Forschungsprojekt: Reiterkrieger, Burgenbauer

Die frühen Ungarn und das "Deutsche Reich" vom 9. bis zum 11. Jahrhundert

Archäometrische Analysen von Graphitkeramik – ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte des 9.-11. Jahrhunderts

Dr. Hajnalka Herold, VIAS, Universität Wien

Die Verwendung von Graphit als Zusatzstoff bei der Keramikherstellung ist im untersuchten Gebiet seit dem 9. Jahrhundert belegt, sie diente der besseren Hitzebeständigkeit der Gefäße und gewährleistete auch, dass die Wand der Keramikgefäße Flüssigkeiten nicht durchließ. Das heißt, durch die Beimengung von Graphit wurden für Koch- und Vorratszwecke qualitativ bessere Gefäße hergestellt als die herkömmlichen graphitlosen Keramikarten. Darüber hinaus ist das Vorkommen des Rohstoffes Graphit regional begrenzt. Die Verbreitung der graphithaltigen Keramikgefäße reicht deutlich über diese Regionen hinaus und belegt dadurch, dass diese Keramik ein begehrtes Handelsgut des Mittelalters darstellte.

Die in diesem Projekt durchgeführten naturwissenschaftlichen Untersuchungen werden dazu beitragen, die Organisation der Herstellung der graphithaltigen Keramik zu rekonstruieren und ihre Vertriebswege im 9.-11. Jh. nachzuzeichnen. Dadurch kann auch das wirtschaftliche Umfeld von Zentren dieser Zeit, wie z. B. Gars-Thunau (Niederösterreich), näher charakterisiert werden. Die Ergebnisse der Analysen aus diesem Projekt fließen in die Bearbeitung der Ausgrabungen von Gars-Thunau durch die Verfasserin ein (Befund und diverse Fundgattungen, wie z. B. Metallfunde, Glas, Knochen- und Geweihartefakte; Projekt P21256 beim Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung, Wien) und sollen dazu beitragen, ein fundiertes Bild der Wirtschaftsstrukturen dieser Zeit zu gewinnen.

Literatur:
Zur Graphitkeramik:
• R. W. Dell’mour: Mikroskopische Untersuchungen an frühmittelalterlicher Keramik von Thunau am Kamp, NÖ. Anzeiger der Philosophisch–Historischen Klasse der Österr. Akademie der Wiss. 136. Jg, 2001, 69–109.
• G. Scharrer-Liška: Die hochmittelalterliche Grafitkeramik in Mitteleuropa und ihr Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte, Monographien des RGZM M 68, Mainz 2007.

Zu Gars-Thunau:

• H. Herold: Der Schanzberg von Gars-Thunau in Niederösterreich. Eine befestigte Höhensiedlung mit Zentralortfunktion aus dem 9.-10. Jahrhundert. Archäologisches Korrespondenzblatt, Jg 38, Heft 2, Mainz 2008, 283–299.