Forschungsprojekt im Schwerpunkt »Studien zu Struktur und Genese von Eliten in vor- und frühgeschichtlichen Gesellschaften«

Frühmittelalterliche Schmiedegräber

Die Schmiedegräber stellen von der jüngeren Eisenzeit bis zum Ende des Frühmittelalters ein kulturübergreifendes Phänomen dar. Bei den Schmiedegräbern handelt es sich durchgehend um höherrangige, mit Waffen ausgestattete Männergräber, die eines oder mehrere Werkzeuge sowie manchmal auch Halbfertigprodukte und/oder Rohmaterial, meist zur Schmuckherstellung, enthalten. Wie auch bei einem vorausgegangenen Projekt an der Universität Wien, im Rahmen dessen die langobardischen Schmiedegräber von Poysdorf und Brünn analysiert worden sind, steht im Zentrum der am RGZM von Bendeguz Tobias durchgeführten Untersuchung das frühawarische Schmiedegrab von Kunszentmárton, Ungarn, eines der bedeutendsten Komplexe dieser Art in Europa. Die Schmiedegräber werden in zwei Richtungen untersucht: einerseits vom Standpunkt der jeweiligen Sozialstruktur und dem „Filter“ der Bestattungssitten, andererseits aber auch von technikgeschichtlicher Seite. Für beide Fragestellungen sind auch naturwissenschaftliche Analysen notwendig. Die Inventaranalyse soll dabei erweisen, welche Produktionsprozesse mit den aufgefundenen Gegenständen durchgeführt werden konnten und welche damals bekannten Verfahren nicht repräsentiert sind. Projektpartner ist (als Leihgeber) das Museum Szeged (Ungarn). Bei der archäometrischen Untersuchung der Gegenstände werden auch das Kompetenzzentrum für Archäometrie und Konservierungsforschung des RGZM mit der Universität Mainz, das Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Tübingen bzw. das Reiss-Engelhorn-Museum Mannheim (Prof. Dr. Ernst Pernicka) sowie das Interdisziplinäre Forschungsinstitut für Archäologie der Universität Wien (VIAS) einbezogen werden. Hinsichtlich der antiquarischen Analyse des Schmiedegrabes von Kunszentmárton besteht eine Kooperation mit der Universität Budapest, wo erst kürzlich eine antiquarisch ausgerichtete Dissertation zu den awarischen Schmiedegräbern (Zsófia Rácz) abgeschlossen wurde.

Als weiterer neuer Themenkreis sind seit jüngster Zeit Forschungen zu westafrikanischen Eliten in diesen Forschungsschwerpunkt aufgenommen worden. Angestrebt wird ein diachroner Vergleich zwischen herrschaftlichen Grabsitten in Westafrika, die uns ethnologische und historische Quellen überliefern, und denen aus dem Hallstattbereich. Wir wollen auf diesem Wege der Frage nachgehen, inwieweit sich die These stützen lässt, ob Fürstengräber tatsächlich Ausdruck einer Zentralmacht in Form eines Häuptlings- oder Königtums darstellten. Diese Gegenüberstellung lässt auch Aufschlüsse über die Entstehung, aber auch über den Untergang mächtiger Eliten erhoffen. 

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Abteilung Vorgeschichte
Römisch-Germanisches Zentralmuseum
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