WissenschaftsCampus Mainz 

Taufe des Fürsten Vladimir aus der Chronik des Konstantin Manasses, um 1345 (Cod. Vat. Slav. 2, fol. 166v; Abb.: Konstantinu Manasse Synopsis chronike, Facsimile Edition (= Synopsis chroniki Constanine Manasses), Athen 2007)


02.03.2017, 17:15

RGZM | Römisch-Germanisches Zentralmuseum
im Kurfürstlichen Schloss
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz

Vortragssaal

Der Vortrag wird auf Englisch gehalten.


für alle

Byzanz, Altrussland und die sogenannte „Familie der Könige“

Öffentlicher Abendvortrag von Prof. Dr. Günter Prinzing (Mainz)

Öffentlicher Abendvortrag in englischer Sprache im Rahmen der Tagung "Imagining Byzantium: Perception, Patterns, Problems in Eastern and Southeastern Europe"

Der Vortrag befasst sich mit der aktuellen kritischen Diskussion um die historische Tragfähigkeit des Konstrukts der  „Familie der Könige im Mittelalter“, das (auch als Metapher) in der Byzantinistik und Mediävistik eine lang anhaltende Wirkung entfaltete. Begründet wurde dieses Konstrukt von dem hoch renommierten Münchner Byzantinisten Franz Dölger (1891-1968) in einem Artikel von 1940, der 1953 und 1964 nachgedruckt worden ist. Nachdem in den 1970er Jahren erstmals Kritik an dem Konstrukt geübt wurde, unterzog es der Frankfurter Byzantinist Wolfram Brandes auf dem Mainzer Historiker-Tag 2012 einer doppelten, fundamentalen Kritik: Erstens in historisch-quellenkritischer Hinsicht mit der These, das Konstrukt entbehre fast jeglicher Quellenbasis und sei daher obsolet; zweitens in wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht durch den Hinweis, es verdanke sich letztlich Dölgers bekannter Sympathie für Hitlers Weltherrschafts-Pläne. Auch wenn Brandes‘ These in zentralen Punkten zutrifft, so bedarf sie wegen bestimmter Schwächen sorgfältiger Prüfung und partiell der Modifikation. Im Vortrag wird beides versucht, und zwar am konkreten Beispiel der Frage, ob man im Zusammenhang mit der „Taufe“ Altrusslands unter Fürst Vladimir (988) noch von seiner Aufnahme in die „Familie der Könige“ sprechen kann.