Detail des Kopfschmuckes (Foto: RGZM / Chr. Eckmann)

Kopfschmuck der Dame Li Chui / rekonstruiert (Foto: RGZM / Chr. Eckmann)

Kopfschmuck der Dame Li Chui: Fundsituation (Foto: RGZM / Chr. Eckmann)



Das Grab der Li Chui: Interdisziplinäre Studien zu einem Tang-zeitlichen Fundkomplex

In unseren Werkstätten in Xi`an wurde zum ersten Mal in der chinesischen Archäologie ein unter kontrollierten Bedingungen ergrabenes unberaubtes Bestattungsinventar einer Tang-zeitlichen Adligen vollständig rekonstruiert. Der kulturelle und materielle Reichtum dieser Epoche spiegelt sich auch in den Bestattungen wider, die dementsprechend zumeist beraubt vorliegen. An die sorgfältige Ausgrabung und Dokumentation des in Xi`an entdeckten unberaubten Grabes der 736 n. Chr. verstorbenen Li Chui, einer Nachfahrin des Kaisers Gaozu, schlossen sich aufwändige Restaurierungsmaßnahmen an. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung arbeitete ein deutsch-chinesisches Team über fünf Jahre insbesondere an der filigranen Schmuckausstattung, die - für China eher noch unüblich- en bloc geborgen worden war. Der in diesem Kontext bearbeitete opulente Kopfschmuck stellt das erste aus dem Originalbefund aufgebaute Fundobjekt dieser Art dar.

Die stratigrafische Auswertung von feinsten Spuren und Abdrücken aus der Blockbergung der Prinzessin erlaubte erstmals, die textile Trachtausstattung einer tangzeitlichen Adelsbestattung in Teilen anhand von Originalbefunden zu rekonstruieren.

Im laufenden Projektabschnitt werden die restaurierten Funde kulturhistorisch und naturwissenschaftlich ausgewertet, womit u. A. die Forschungslücke zu Funktion und Symbolik Tang-zeitlicher Schmuckwaren geschlossen werden kann. Das Projekt gliedert sich in drei Teilbereiche, die Einblicke in verschiedene Aspekte der Lebenswelten der Tang-zeitlichen Oberschicht ermöglichen.

  • Auswertung von Grabbau, Epitaph und Schmuckausstattung im Lichte des historischen Kontexts: Die Doktorandin beschäftigte sich mit der Diskrepanz zwischen relativ schlichtem Grabbau und –beigaben und der reichen persönlichen Schmuckausstattung, was auf eine vorläufige Grablege hindeutet. Die Interpretation des Epitaphtextes sowie die Auswertung von Schriftquellen ermöglichte es, Person und Familie der Li Chui und ihre Stellung in der Tang-zeitlichen Gesellschaft näher zu fassen. Hauptthema der Arbeit wird jedoch der opulente Kopfschmuck sein (Wiss. Mitarbeiterin Mainz / Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München).
  • Kulturhistorische Untersuchungen zur Gruppe der Edelmetallgefäße aus Grabfunden: Untersucht werden die typologische Struktur dieser Gruppe sowie die mögliche Funktion dieser Gefäße. Die Vollständigkeit der Ausstattung im Grab der Li Chui ermöglicht neue Interpretationsansätze, da über 90% der bisher bekannten Gefäße aus beraubten Bestattungen stammen (Forschungsauftrag Westfälische Wilhelms-Universität Münster).
  • Naturwissenschaftliche und technologische Studien von Tang-zeitlichen Schmiedewaren aus Silber mittels portabler Analytik: Hier stehen Fragen zur gezielten Auswahl bestimmter Legierungen sowie Herstellungstechniken im Vordergrund. Diese liefern Hinweise auf den Ablauf der Werkstattorganisation sowie die Existenz offizieller Legierungsnormierungen für Silberschmiede (Wiss. Mitarbeiter RGZM).