Schwertknauf aus der skandinavischen Völkerwanderungszeit aus Blekinge, Sturkö parish. SHM 11317 (Foto: Swedish History Museum / Ulf Bruxe).

Fibel aus dem 7. – 8. Jahrhundert aus Gotland, Stånga Gemeinde Kylver. SHM 13436:A5 (Foto: Swedish History Museum / Gabriel Hildebrand).

Granate aus einem Wikingerzeitlichem Grab in Öland, Klinta Gemeinde. SHM 27877 (Foto: Swedish History Museum / Sara Kusmin).



Granatschmuck im frühmittelalterlichen Schweden

Die grundlegende Katalogisierung und Typologie-Erstellung granatverzierter Objekte für den skandinavischen Raum, insbesondere Schweden, ist Ziel dieses Teilprojektes. Es soll dazu dienen, erstmals einen Überblick über die granatverzierten Fundstücke aus Schweden zu erhalten und dadurch eine Basis für die Auswertung zu schaffen. Dabei sollen zudem die skandinavischen Handelsbeziehungen des frühen Mittelalters im Gesamtkontext dargestellt werden.

Das heutige Schweden hat eine umfangreiche und differenzierte Sammlung von Granatobjekten aus der Eisenzeit. Auch wenn einige Funde bis ins spätrömische Reich zurückdatiert werden können, sind die meisten Objekte aus dem 5. bis 8. Jahrhundert. In Schweden wird diese Zeitspanne als Völkerwanderungs- und Vendelzeit bezeichnet. Sie zeichnet sich durch ihre regionalen Machtverhältnisse, reichen Bestattungsriten und weitreichenden Kontaktnetzwerke aus. Die meisten Granate dieser Zeit zierten Schmuck (z. B. Fibeln) aber auch hochrangige Waffen etc.

Birgit Arrhenius' umfangreiche Granat-Forschung bildet die Wissensgrundlage für dieses Forschungsfeld in Skandinavien (1971; 1985; 1997; 2000; 2001). Sie legte Ihren Schwerpunkt dabei auf technische Studien und konnte den hohen Stellenwert des Granats als Luxusartikel verdeutlichten, der von der Elite genutzt wurde, um politische und diplomatische Allianzen zu schmieden. Laut Arrhenius's Studien wurden nur geschschliffene Granate in Skandinavien importiert. In jüngerer Zeit wurden jedoch an mehreren Fundorten Granate entdeckt, die sich im Rohzustand befanden (inklusive den jüngsten Funden in Gamla Uppsala; Frölund et al, 2011: 7; Lundqvist 1995). Das Auftreten von Roh-Granaten im Siedlungskontext eröffnet eine neue Perspektive auf den Import und wirft neue Fragen zu Kontakt- und Handelsnetzwerken auf verschiedenen Ebenen auf.

Im Zuge dieses Teilprojektes soll ein Katalog über die schwedischen Granate entstehen. Eine umfassende Bestandsaufnahme über die einzelnen Funde erleichtert die Diskussion zu lokaler Produktion contra Import und ermöglicht möglicherweise sogar eine Zuordnung der Funde, insbesondere der lokalen Werkstätten. Auch der Wissenstransfer der Handwerkskunst soll Bestandteil des Projektes sein. Durch eine weitere Analyse des Materials könnten  verschiedene Statusstufen herausgestellt werden, die wiederum dabei helfen können, die heutigen Gesellschaft besser zu verstehen.