Podiumsdiskussion 

Sumerisches Goldgefäß aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., das in München sichergestellt und inzwischen an seinen rechtmäßigen Eigentümer, die Republik Irak, zurückgegeben wurde (Foto: Michael Müller-Karpe / RGZM).

Zabalam. Die Ruine dieser sumerischen Stadt im Süden des Irak hatte fünftausend Jahre weitgehend unversehrt im Boden überdauert. Sie wurde durch Raubgrabungen, zur Versorgung eines nimmersatten internationalen Antikenmarktes mit Hehlerware, vollständig vernichtet. Jedes einzelne Loch auf dieser Luftaufnahme ist eine Raubgrabung, bis zehn Meter tief, z. T. mit horizontalen Stollen (Foto: Carabinieri T.P.C. Italia).


10.07.2015, 14:30

Museum für Antike Schiffahrt des RGZM
Neutorstraße 2b
55116 Mainz

Der Eintritt ist frei!

Um Anmeldung wird gebeten.


Krieg gegen die Zivilisation. Fördert der Handel mit Antiken den internationalen Terror?

Mit Entsetzen verfolgt die Weltöffentlichkeit derzeit die gezielte Vernichtung von Kulturgut und die systematische Ausplünderung archäologischer Stätten zur Finanzierung von Kriegsparteien und Versorgung eines internationalen Marktes, der keine unangenehmen Fragen stellt. Mit der Beteiligung von Terrororganisationen wie al-Qaida und „Islamischer Staat“, die aus dieser Kulturzerstörung Nutzen ziehen, ist eine neue Stufe der Gefährdung von Kulturgut erreicht. Anlässlich der Vorstellung des Buches »Stolen, Smuggled, Sold: On the Hunt for Cultural Treasures« von Nancy Moses, in der die Autorin auch diesen Sachverhalt thematisiert, laden das Römisch-Germanische Zentralmuseum und das Magazin zenith am 10. Juli 2015, um 14.30 Uhr ein zu einer Podiumsdiskussion im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz.

Mohammed Atta, einer der Selbstmordpiloten des 11. September, bot während seines Studiums in Hamburg in Afghanistan geplünderte Antiken an. Die Recherchen der Autorin zu den Hintergründen dieser Form der Terrorfinanzierung stehen im Mittelpunkt eines Kapitels über die Plünderungen im Nahen Osten. Darin schildert sie auch den „deutsch-irakischen Archäologen-Krimi“ (FAZ) um ein in München sichergestelltes viereinhalbtausend Jahre altes sumerisches Goldfläschchen. Das Römisch-Germanische Zentralmuseum war an dem Fall, der als „Schweißbrenneraffäre“ international Beachtung fand, als wissenschaftlicher Gutachter beteiligt. Die weltweite Vermarktung von geplündertem Kulturgut ist ein Milliardengeschäft. Nach Einschätzung der deutschen Bundesregierung handelt es sich um die drittgrößte illegale Erwerbsquelle, nach Rauschgift- und Waffenhandel. Andere Schätzungen sehen den Antikenhandel bereits an zweiter Stelle, nur noch übertroffen vom Rauschgifthandel. Neueste Meldungen, dass der „Islamische Staat“, der sich offenbar zu erheblichen Teilen aus der Vermarktung von geplünderten Antiken finanziert, ein eigenes „Antiken-Ministerium“ eingerichtet hat, mit dem er die kommerzielle Ausbeutung archäologischer Stätten organisiert, verdeutlichen die Dringlichkeit, mit der die Staatengemeinschaft nun endlich Maßnahmen zum Schutz des kulturellen Erbes der Menschheit ergreifen muss.

Darüber diskutieren

Eckhard Laufer
Kriminalhauptkommissar
Hessisches Landeskriminalamt, Zentralstelle Kriminal- und Verkehrsprävention
Koordinator Kulturgüterschutz

Nancy Moses
Autorin und ehemalige Direktorin des History Museum Philadelphia / USA

Dr. Michael Müller-Karpe
Archäologe am Römisch-Germanischen Zentralmuseum

Michelle Müntefering
Mitglied des deutschen Bundestags

Amir Musawy
Büroleiter Iraqia-TV, Berlin

Gesprächsleitung
Daniel Gerlach
Chefredakteur des Magazins zenith

Anmeldung

Anmeldung erbeten bis zum 2. Juli 2015 an: 
service(at)rgzm.de oder 06131 9124-0.