Mathematische Modellierung: Neolithisierung Eurasiens

Der Prozess der Ausbreitung von Landwirtschaft und Viehzucht im westlichen Eurasien schwebt als übergeordnetes historisches Phänomen über den Fallstudien im westlichen Mitteleuropa. Zur Zeit ist die Gruppe nlDynamics nur über theoretischen Studien mit diesem Phänomen beschäftigt.

Diese Studien erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung Geesthacht (ehem. GKSS). Grundlage ist das Werkzeug des Global Land Use and technological Evolution Simulator (GLUES) mit dessen Hilfe verschiedene Szenarien der Neolithisierung auf globalem Niveau simuliert werden können.

Informationen zur Mathematik hinter GLUES finden sich auf den entsprechenden Seiten des Helmholtz-Zentrums (s.u.).

Als wesentliche Ergebnisse der bisherigen Simulationen lassen sich festhalten:

  • Die Ausbreitung von Landwirtschaft und Viehzucht aus dem Kerngebiet im Nahen Osten kann sowohl mit als auch ohne Wanderungsbewegung von Menschen stattgefunden haben. Im mathematischen Modell funktioniert die Neolithisierung auch ausschließlich über Informationsaustausch.
  • Daraus folgt, dass die archäogenetisch postulierten Wanderungsbewegungen von Menschen inhaltlich vom Phänomen der Ausbreitung von Landwirtschaft gelöst werden müssen. Die Migrationen des mittleren Holozän im westlichen Eurasien sind keine notwendige Folge der Landwirtschaftsentwicklung.
  • In Südeuropa hätten sich eigenständige Zentren der Neolithisierung entwickeln können, so auf der Iberischen Halbinsel wie auf der Balkanhalbinsel. Dass es dazu nicht gekommen ist, mag an der schnelleren Ausbreitung der nahöstlichen Landwirtschaft gelegen haben, oder aber indigene Entwicklungen sind zu stark überprägt worden. In Mittel- und Nordeuropa findet nach den GLUES-Modellierungen keine indigene Entwicklung zur Landwirtschaft statt.