Speerspitzen aus der griechischen Koloniestadt Kasmenai/Monte Casale auf Sizilien (Foto: A. Scarci).

Bronze-Fibel aus der griechischen Koloniestadt Kasmenai/Monte Casale auf Sizilien (Foto: A. Scarci).

Bronzene Miniaturwaffen aus der griechischen Koloniestadt Kasmenai/Monte Casale auf Sizilien (Foto: A. Scarci).



Metallene Votivgaben aus dem sogenannten Arestempel auf dem Monte Casale (Syrakus, Italien). Studien zur Interaktion zwischen Griechen und Indigenen im archaischen Ostsizilien

Ziel des Projekts ist es, eine signifikante Wissenslücke über die Interaktion zwischen griechischen Kolonisten und der indigenen Bevölkerung sowie dem Vorhandensein multikultureller Kontexte in den Grenzgebieten des östlichen Sizilien zu schließen. Grundlage der Forschungen bilden die Analysen der im heiligen Bezirk von Kasmenai – einer Subkolonie von Syrakus – gefundenen Weihgaben aus Metall.

Monte Casale, das antike Kasmenai, liegt isoliert auf einem Hügel im Hinterland des südöstlichen Teils Siziliens. In strategisch günstiger Lage in einer Kontaktzone mit der indigenen Bevölkerung Siziliens positioniert, war die Stätte eine im Jahre 643 v. Chr. gegründete Subkolonie der bedeutenden griechischen Stadt Syrakus. Monte Casale wurde zuerst von Paolo Orsi identifiziert, der hier zwischen 1922 und 1931 archäologische Ausgrabungen durchführte. Bei der Untersuchung des westlichen Teils der Fundstätte entdeckte Orsi einen heiligen Bezirk mit zahlreichen Weihgaben aus Metall. Der Fundkomplex, der heute im Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi in Syrakus aufbewahrt wird, besteht insbesondere aus einer großen Zahl eiserner Angriffswaffen, die in dieser Menge bislang an keinem anderen westgriechischen Fundplatz Unteritaliens und Siziliens nachgewiesen wurde. Aufgrund der hohen Anzahl an Waffen ging Orsi davon aus, dass es sich bei der hierbei um einen Tempel des Kriegsgotts Ares handeln müsse.

Die Analyse dieser Funde wird wichtige Erkenntnisse liefern, inwiefern sich darin griechische oder einheimische Elemente wiederspiegeln und damit erlauben, den militärischen Vorposten der Griechen auf dem Monte Casale und seine Interaktion mit der indigenen Bevölkerung in einem neuen Licht zu sehen, wobei insbesondere die in Sizilien und Süditalien lange Zeit unterschätzten Metallobjekte zu dieser Neubewertung beitragen. Neuere Materialstudien in Gela oder Selinunt haben bereits gezeigt, dass traditionelle Annahmen über die Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen in den griechischen Poleis (Griechen, Indigene, Etrusker usw.) nochmals überdacht werden müssen. Des Weiteren sollen die religiösen Bräuche in Kasmenai untersucht werden. Dies soll zu einem besseren Verständnis der sozialen Identität der Gläubigen beitragen, welche die heilige Stätte besuchten und dort Weihgaben stifteten.

Förderung

Fritz Thyssen Stiftung