Tangzeitliche Seiden aus Famen’si (Fundsituation) Foto: RGZM

Tangzeitliche Seiden aus Famen’si (Konservierung) Foto: RGZM



Seidentextilien aus dem Tempelschatz des Klosters Famen

Das 1987 bei Grabungen im „unterirdischen Palast“ wiederentdeckte Schatzdepot des Tempels von Famen enthielt wertvolle Seidentextilien, deren bedeutende Rolle zunächst der Seltenheit solcher Funde zu verdanken ist, aber insbesondere der Tatsache, dass es sich um persönliche Schenkungen der kaiserlichen Familie wie auch um Zeugnisse des buddhistischen Ritus handelt. Aufbauend auf der Untersuchung der Fundobjekte und der Analyse von Schriftquellen verschafft sich das deutsch-chinesische Team Einblicke in Tang-zeitliche Bekleidungssitten, die Organisation der Textilproduktion sowie der Rolle von Seide in Religion und Alltag.

Eine interdisziplinär zusammengesetzte Equipe arbeitet unter Einbeziehung chinesischer Partner von den vier Standorten Mainz, München, Münster und Xi`an aus. Die Fachleute unterschiedlichster Spezialgebiete wie der Textiltechnologie, der klassischen Sinologie, der archäologischen Sinologie und den Materialwissenschaften bearbeiten gemeinsam folgende Themengebiete:

  • Textiltechnologische Charakterisierung der aus einem Ballen entfalteten Gewänder: Klärung von Webtechniken, Zuschnitten, Musteranlagen und Produktionsabläufen (Restauratorin Mainz u. Expositur Xi`an).
  • Klärung der Frage zur rituellen oder profanen Funktion der Kleidungsstücke und ihre Einordnung in den Kanon Tang-zeitlicher Bekleidung durch Rekonstruktionen, Vergleich mit bildlichen Darstellungen und Neubearbeitung der Stiftungsinschrift (Forschungsauftrag Ludwig-Maximilians-Universität München)
  • Studien zum Prestige der Seide in der Tang-zeitlichen Literatur: Gegenüberstellung profaner und religiöser Texte (Magisterarbeit Münster)
  • Auswertung von Schriftquellen zur Seidenproduktion; lexikalische Zusammenstellung der Gewebetypen sowie die Kartierung von Produktionsstandorten (wiss. Mitarbeiterin Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
  • Machbarkeitsstudie zur Herkunftsbestimmung der Rohseide mittels Isotopenmustern von Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff (wiss. Mitarbeiter RGZM u. AgroIsolab Jülich)