öffentlicher Vortrag 

Blick auf die frühbyzantinische Stadt Assos (© Assos-Excavation).


06.03.2018, 18:15

RGZM | Römisch-Germanisches Zentralmuseum
im Kurfürstlichen Schloss
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz

Der Vortrag findet im Vortragssaal statt. 
Der Eintritt ist frei!

 

 


Bruch mit der Tradition? Veränderungen der städtischen Lebenswelten des christlich-frühbyzantinischen Assos (Türkei)

Ein Vortrag von Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan in der Reihe »Wintervorträge«.

Die spätantiken-frühbyzantinischen Perioden von Assos sind, wie bei so vielen Provinzstädten dieser Zeit, außer dem im 5. Jahrhundert erfolgten Eintrag in der Bischofsliste (Notitia Episcopatuum) aus schriftlichen Quellen nicht bekannt. Die archäologischen Hinterlassenschaften in Assos zeigen dagegen eine florierende Stadt: die heute sichtbaren Ruinen stammen außer der gut erhaltenen hellenistischen Stadtmauer und den größeren antiken öffentlichen Gebäuden alle aus der frühbyzantinischen Zeit. Mehr als 80 Prozent der heute erhaltenen Bauten datieren in das 6. Jahrhundert.

Unsere Forschungen in der Stadt zeigen die nahezu vollständige Neukonzipierung der Stadtanlage zu dieser Zeit. Die Verlagerung des Stadtzentrums und der Bau mehrerer Kirchen sind wichtige Zäsuren des antiken Stadtbilds zu werten. Die Straßen und Wegeführungen änderten sich vollständig, Plätze wurden angelegt und die Wasserversorgung neu konzipiert. Mit den Entwicklungen der Stadtanlage und der Infrastruktur geht spätestens im 7. Jahrhundert auch eine Veränderung der Lebensgewohnheiten einher. In der Stadt, sogar in ihrem Zentrum, liefen Haustiere frei herum. Offenbar versorgten sich sogar die vermögenderen Menschen der Stadt teilweise selbst und bewirtschafteten Gärten oder Felder.

Wir sollten daher unsere Klischees einer wohlhabenden Stadt überdenken, die wir uns nur sauber und prächtig vorstellen können. Das zu dieser Zeit sicher prosperierende Assos ähnelte wohl mehr einer orientalischen Stadt mit verwinkelten Gassen, wenig repräsentativen Gebäudefassaden und dem bunten Zusammenleben von Mensch und Tier.

Zur Reihe »Wintervorträge«

Schon seit Jahrzehnten gewähren die Wintervorträge einem Interessierten Publikum Einblick in die aktuellen Forschungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Auch 2018 möchten wir Sie wieder mit Vorträgen über einige unserer Arbeiten informieren. Die Veranstaltungsreihe wird ausgerichtet von der Gesellschaft der Freunde des RGZM. Einen Überblick über alle Termine finden Sie hier.