öffentlicher Vortrag, WissenschaftsCampus Mainz 

Die Marienikone in Freising (Foto: Diözesanmuseum Freising).


24.01.2018, 18:15 - 19:15 Uhr

Georg-Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz

Raum 02.521


für alle

Die Ikone als Palimpsest? Die Marienikone in Freising und ihre Wandlungen

Vortrag von Prof. Dr. Barbara Schellewald (Basel)

Die Marienikone in Freising zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten Objekten, die durch eine Schenkung aus Byzanz in den Westen gelangt sind. Die Geschichte der Ikone wie auch die ihrer Metalleinkleidungen hat in der Forschung durchaus Aufmerksamkeit gefunden. Angesichts der Komplexität der Geschichte des Objektes, seiner gravierenden Veränderungen im Laufe der Zeit, die die Malerei in ihrer Substanz aber auch ihre Rahmungen wie auch des dort eingeschriebenen Textes betreffen, kam es jedoch in der Forschung zu einer Reihe von unterschiedlichen Einschätzungen oder auch Kontroversen. Ein vom Diözesanmuseum in Freising verantwortetes Symposium, konzipiert und durchgeführt von Carmen Roll und Antje Bosselmann-Ruickbie, hat neue Erkenntnisse zu Tage geführt, gleichzeitig aber eine Fülle von weiteren Fragen produziert. Intensive und das gesamte Potential gegenwärtiger internationaler Technologie nutzende Untersuchungen haben im Anschluss zu einer Reihe substantieller und auch überraschender Ergebnisse geführt, die von Seiten der Kunstgeschichte nunmehr in Hinblick auf die bisherige Forschung eine kritische Revision unabdingbar machen.

Der Vortrag wird sich auf der Basis dieser neuen Erkenntnisse auf eine begrenzte Anzahl von Aspekten beschränken: Im Vordergrund stehen die beiden Malschichten, ihre Datierung und die mit ihrer Malsubstanz einhergehende Einbindung in größere Zusammenhänge. Darüber hinaus wird den zwischen der ersten und letzten Malschicht zu beobachtenden inhaltlichen Verschiebungen Rechnung zu tragen sein. Inwieweit diese Transformationen einem abweichend profilierten Kontext geschuldet sind, wird ebenso zu thematisieren sein, wie die grundsätzliche Zuschreibung als Hagiosoritissa auf den Prüfstand zu stellen ist.