öffentlicher Vortrag, WissenschaftsCampus Mainz 

Die Verteidigungsmauer von Adanda (Lamos) in Kiliken (Foto: S. Mitchell)

Inschrift für den Kaiser Gallenius auf dem Stadttor von Adanda (Foto: S. Mitchell)


06.11.2017, 18:15

Johannes Gutenberg-Universität
Philosophicum
Jakob-Welder-Weg 18
55128 Mainz

Hörsaal P 3

 

VORTRAG ENTFÄLLT!


für alle

ENTFÄLLT: Furcht, Schutz und Pracht: Verteidigungsanlagen in der Spätantike (nicht nur) in Ankara

Vortrag von Prof. Dr. Stephen Mitchell (Exeter/Berlin)

Die so-genannte Krise des dritten Jahrhunderts ist eine der meist behandelten und diskutierten Themen der Römischen Geschichte. Neue Perspektiven sind teilweise aus neu entdeckten Quellen zu gewinnen, so wie aus dem berühmten Ausgburger Siegesaltar, das ein Licht auf die kritische Lage des westlichen Imperiums um 260 n. Chr. wirft, oder den vor kurzem entzifferten Fragmenten der Skythika des Historikers Dexippos, die über gotische Angriffe in Thrakien und Griechenland in den 250 und 260 Jahren berichten. Für die früher friedlichen und von barbarischen Invasionen ungefährdeten Provinzen im Osten des Imperiums ist der Aufbau von städtischen Verteidigungsmauern besonders aufschlussreich. Auch wurde die Quellenlage durch neue Entdeckungen begünstigt. 

Jedoch lohnt es sich vor allem den politischen Kontext dieser Ereignisse neu zu bewerten mit Blick auf die Sicherheitspolitik Europas und der Vereinigten Staaten der letzten Generation nach dem Verfall der Sowiet Union und der zunehmenden Bedeutung des „Kampfes gegen Terror“.  Genau wie die Ängste der heutigen Zivilgesellschaft von populistischen oder autoritären Machtinhabern instrumentalisiert werden, damit neue soziale und politische Verhältnisse akzeptiert werden, so wurde die Furcht der städtischen Bevölkerung der römischen Provinzen vor ausländischen Invasionen und barbarischer Einwanderung geschickt von den Kaisern ausgenutzt, um ihre eigenen Machtpositionen zu bestärken.  Dadurch wurde die pax Romana in einen ganz anderen gesellschaftlichen und politischen Zustand umgewandelt.  Diese Analyse lässt sich u. a. von der archäologischen Hinterlassenschaft und der epigraphischen Dokumentation städtischer Verteidigungsanlagen im dritten Jahrhundert n. Chr. ablesen.