Neues aus der Forschung 

Vorstellung der Ergebnisse aus der Feldforschung 2016 in Capodimonte (Viterbo), 23. September: Grußwort der Museumsdirektorin Caterina Pisu; Foto: Raffaele Donno.

Vorstellung der Ergebnisse aus der Feldforschung 2016 in Capodimonte (Viterbo), 23. September: Grußwort des Stadtrats für Kultur der Gemeinde Capodimonte Angela Catanesi; Foto: Raffaele Donno.

Vorstellung der Ergebnisse aus der Feldforschung 2016 in Capodimonte (Viterbo), 23. September Vortragende A. Babbi, F. Miketta (v.l.n.r.); Foto: Raffaele Donno.

Vorstellung der Ergebnisse aus der Feldforschung 2016 in Capodimonte (Viterbo), 23. September Tagungsort und Publikum; Foto: Raffaele Donno.


Freitag, den 23. September 2016, 18.00 Uhr
Museo della Navigazione nelle Acque Interne, Capodimonte (VT)
  


Lokale Informationsveranstaltung zur archäologischen Fundstätte "Bisenzio" in Capodimonte

Im September 2016 fand mit freundlicher Unterstützung der Museumsdirektorin Caterina Pisu am Museo della Navigazione nelle Acque Interne in Capodimonte eine von Dr. Andrea Babbi (RGZM) organisierte Informationsver-staltung statt. Ziel der Veranstaltung war es, die lokale Bevölkerung sowohl über die Forschungsaktivitäten des vergangenen Jahres als auch die Ergebnisse der im Spätsommer durchgeführten archäologischen Feldbegehun¬gen zu informieren. Zahlreiche am kulturellen Erbe interessierte Einwohner von Capodimonte und Umgebung nahmen an der Veranstaltung teil, die von Dr. Andrea Babbi gemeinsam mit Florian Miketta, M.A. (JGU) gestaltet wurde.

Im Mai und Juni dieses Jahres setzte das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie die Prospektion des Gebietes mit verschiedenen Bodenradarsystemen fort. Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen konnte lediglich eine Fläche von 21,1 ha untersucht werden. Trotz dieser Widrigkeiten waren die Prospektionsergebnisse interessant und vielsprechend. In der Tat scheinen die archäologischen Befunde in einigen Bereichen recht gut erhalten zu sein. Die festgestellten Anomalien wurden als unter der Bodenoberfläche befindliche ›Diffraktoren‹ interpretiert, die möglicherweise mit identisch orientierten Bauresten beiderseits einer geradlinig verlaufenden Straße in Zusammenhang stehen.

Die Geologen der Forschergruppe „Paleoenvironmental Holocenic Evolution and Setting“ des Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale (ISPRA) in Rom konnten die manuellen Bohrungen abschließen und analysierten die gewonnenen Bohrkerne. Gleichzeitig begannen sie mit der systematischen Auswertung der natürlichen Profile in den Bewässerungsgräben in den Feldern im Umkreis des Monte Bisenzio. Darüber hinaus lokalisierten und untersuchten die Geologen gemeinsam mit Dr. Andrea Babbi und mit Hilfe einiger Mitglieder des örtlichen Archäologischen Vereins mehrere alte Steinbrüche im Umland. Außerdem konnte die Forschergruppe mit der Vorlage einer detaillierten geologischen Karte (1:5000), die deutlich präziser als die bisher verfügbare Karte (1:10000) ist, ein erstes Teilergebnis der sorgfältigen Untersuchung des lokalen Grundgesteins liefern. So konnten in dem vergleichsweise kleinen Gebiet, für das bislang zwei Grundgesteinsarten bekannt waren, insgesamt acht verschiedene Grundgesteinsarten nachgewiesen werden. Deren genaue Kenntnis stellt einen wichtigen Aspekt des Surveyprojektes dar, da sich das Grundgestein, indem es die Beschaffenheit der darüberliegenden Böden beeinflusst hat, auch auf die Nutzung der Böden in der Antike ausgewirkt hat.

An der Survey-Kampagne unter der Leitung von Dr. Andrea Babbi (RGZM) nahmen 2016 nicht nur Studenten aus Mainz, sondern auch Studierende von den Universitäten Heidelberg, München und Viterbo teil. Im Laufe von 14 Arbeitstagen im Gelände (vier Arbeitsstunden am Vormittag) wurde eine Fläche von 1,4 ha mit intensiven Surveymethoden untersucht und dabei 4.227 Keramikfragmente aufgesammelt. An den Nachmittagen (weitere vier Stunden) konnten in den Arbeitsräumen, die im Seniorenzentrum von Capodimonte eingerichtet wurden, 1.102 diagnostische Scherben bearbeitet und dank der Unterstützung der örtlichen Behörden in die bereits vorhandene Datenbank aufgenommen werden. Es wurden 3.219 Fotos sowie 200 Zeichnungen der wichtigsten Scherben angefertigt.

Während der Survey-Kampagnen 2015 und 2016 wurde eine Fläche von insgesamt 5,2 ha gründlich untersucht und dabei 7.720 Funde georeferenziert. Die Datenbank umfasst 2.470 Einträge; es wurden 7.383 Fotos sowie 465 Zeichnungen der aussagekräftigsten Keramikfragmente angefertigt.

Forschungen in den Museumsmagazinen

Die Untersuchung der Funde, die im 20. Jahrhundert bei den wichtigen Grabungen der Soprintendenz im Gebiet des Monte Bisenzio zutage gekommen waren, wurde ohne Unterbrechung fortgesetzt.

In einer insgesamt neunmonatigen Kampagne, die in den Wintermonaten der Jahre 2015 und 2016 in den Magazinen des Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia durchgeführt wurde, konnte das gesamte Fundmaterial der Grabungen von Alberto Di Mario in den 1970-er Jahren aufgenommen und gezeichnet werden. Darüber hinaus konnte die Aufnahme der Funde, die aus der 1979 von Maria Antonietta Fugazzola Delpino, Filippo Delpino, Maria Paola Baglione e Francesca Melis geleiteten Grabung auf dem Monte Bisenzio stammen, nahezu abgeschlossen werden. Insgesamt 2.000 diagnostischen Scherben wurden beschrieben und 200 Formen sorgfältig gezeichnet.

In einer achtmonatigen Kampagne im Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia und im Museo Nazionale Etrusco di Viterbo wurden schließlich die 78 Grabbefunde, die zwischen 1927 und 1931 von Fausto Benetti und Enrico Stefani in der Flur Olmo Bello freigelegt worden waren, vorläufig katalogisiert und fotografiert (etwa 9.000 Bilder). Von etwa der Hälfte der Formen wurden publikationsreife digitalisierte Zeichnungen er­stellt. Die menschlichen Knochenreste sowie die Fragmente von Tierknochen, die sich unter dem Leichen­brand fanden, sind von der physischen Anthropologin Dr. Rita Vargiu beziehungsweise der Archäozoologin Dr. Claudia Minniti eingehend analysiert worden. Die Pflanzenreste sowie die anderen organischen Rückstände, die in einigen Bronzegefäßen festgestellt wurden, werden derzeit vom Department of Vegetal Biology der Universität Rom (Dr. Alessandra Celant), der Research Unit Analytical BioGeoChemistry am Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt ((Prof. Philippe Schmitt-Kopplin) bzw. am Biomolecular Archaeology Project des Museum of Archaeology and Anthropology der University of Pennsylvania (Dr. Patrick McGovern) untersucht.

Wissensvermittlung

Im Frühjahr und Sommer 2016 war Dr. Babbi auch mit der Wissensvermittlung an Schulklassen beschäftigt. Er organisierte eine Veranstaltung für Schüler der weiterführenden Schule Francesco Orioli in Viterbo. Dank der gelungenen Zusammenarbeit mit dem Rektor der Schule sowie den Lehrern Loretta Tofanicchio und Danilo Piovani konnte am 27. Mai ein Treffen mit den Schülern stattfinden, an dem auch Dr. Valeria D’Atri, die für Bisenzio verantwortliche Archäologin der Soprintendenz, und Dr. Caterina Pisu,  die Direktorin des Museo della Navigazione nelle Acque Interne di Capodimonte, teilnahmen.

Am 26. und 27. September wurde am Museo di Capodimonte mit Schülern einer 7. bzw. 5. Klasse der örtlichen Schule ein von Dr. Andrea Babbi und Dr. Veliana Olivieri entwickeltes didaktisches Programm durchgeführt.

Wissenschaftliche Wissensvermittlung

Noch vor der für 2018 geplanten Publikation der ersten Ergebnisse des Bisenzio-Projektes wurde das laufende Forschungvorhaben in zwei Beiträgen vorgestellt. Der eine Beitrag ging aus einem kurzen Vortrag hervor, den Dr. Babbi im Jahr 2015 auf dem von der Fondazione Faina organisierten Kongress für Etruskologie und vorrömisches Italien in Orvieto gehalten hat. Die Publikation der Kongressakten ist für Dezemer 2016 geplant. Der zweite Beitrag, den Dr. Babbi gemeinsam mit zwei Geologen des ISPRA (Dr. Paolo Maria Guarino und Dr. Mauro Lucarini) verfasst hat, wurde als Poster auf dem 88. Kongress der Italienischen Geologischen Gesellschaft, der vom 7. bis 9. September in Neapel stattfand, präsentiert.

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