Foto: RGZM.

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Archäobotanische Analysen in Caričin Grad

Im Rahmen des Dissertationsprojektes von Anna Elena Reuter „Pflanzen und Pflanzennutzung im Byzantinischen Reich“ (Arbeitstitel) wird die archäobotanische Analyse der frühbyzantinischen Stadt Caričin Grad durchgeführt. Während der Ausgrabungskampagnen 2013-2015 konnten verschiedene Areale der nördlichen Oberstadt, sowie Türme der Akropolis systematisch beprobt werden.

Daneben lagen Sammelproben aus Altgrabungen des Südwestviertels der Unterstadt vor und wurden für die Analyse bereitgestellt. Das während der Grabungskampagnen flotiert (Abb.1) und getrocknete Material wurde zur weiteren Bearbeitung  nach Deutschland verbracht und im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts Universität zu Kiel untersucht. Derzeit umfasst das Gesamtspektrum Caričin Grads über 200.000 Funde pflanzlicher Makroreste, überwiegend sind diese verkohlt erhalten, daneben liegt auch skelettiertes und mineralisiertes Material vor.

Zunächst sollen Fragen nach der Pflanzennutzung  der Stadt beantwortet werden. Welche Kulturpflanzen wurden angebaut und welche hatten einen signifikanten Anteil an der Ernährung? Neben den Kulturpflanzen können vor allem deren Begleitarten Hinweise auf die Anbauform, die Aussaat und Ernteweise sowie zur Feldpflege und Bodengüte der landwirtschaftlich genutzten Flächen geben.  Aufgrund der systematischen Beprobungsstrategie könne  Aussagen anhand der horizontalen Verteilung der Pflanzenreste getroffen werden. Aufgrund dessen ist beispielweise möglich, Aktivitätsareale zur Vorratshaltung, Verarbeitung und auch Entsorgung pflanzlicher Produkte zu rekonstruieren.

Das Pflanzenspektrum Caričin Grads ist dominiert von Kultur- und Nutzpflanzen, Wildpflanzen sind überwiegend unterrepräsentiert. Mehrheitlich konnten Getreide nachgewiesen werden. Das Spektrum setzt sich aus insgesamt zehn Arten zusammen. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von vier Getreidearten- Saatweizen, Rispenhirse, Roggen (Abb.2) und Spelzgerste- welche als Hauptgetreide interpretiert werden können. Neben Getreiden liegen auch Funde von Hülsenfrüchten vor, darunter besonders häufig sind Ackerbohne und Futterwicke.  Besonders Artenreich ist das Spektrum von Garten-, Sammel- und Importpflanzen. Insgesamt konnten 28 Arten nachgewiesen werden.  Aufgrund der hohen Fundzahlen ist anzunehmen, dass besonders Wein (Abb.3) einen großen Stellenwert in der Ernährung hatte, aber auch Walnüsse scheinen sich großer Beliebtheit erfreut zu haben.  Daneben gibt es nur wenige Hinweise auf Importe wie z.B. von Oliven aus Regionen mit Mediterranem Klima.