Bilzingsleben – Megafauna im Visier frühmenschlicher Jäger?

Die Untersuchung der Megafauna der Fundstelle Bilzingsleben (Thüringen) befasst sich mit dem Verhältnis der dort gefundenen frühen Menschen zu den Elefanten, Nashörnern und großen Rindern, die an dieser Fundstelle zahlreich vorkamen. Neben einer Reihe von Hinweisen auf Verbiss durch Carnivoren gibt es auch Anzeichen, dass die großen Herbivoren von Menschen genutzt wurden.

Die etwa 400.000 Jahre alte Fundstelle Bilzingsleben in Thüringen ist eines der ältesten Archive Europas für die menschliche Lebensweise in warmzeitlichen Umwelten. Es beinhaltet mehrere Tonnen Steinmaterial und Knochenreste, darunter 37 menschliche Schädelfragmente, die zu den ältesten Menschenresten in Deutschland zählen. Für die Erforschung menschlicher Verhaltensstrategien in Warmzeiten hat Bilzingsleben eine große Bedeutung. Eine umfangreiche, typisch warmzeitliche Fauna prägt das Bild der Fundstelle.

Die Untersuchung der Megafauna aus Elefanten, Nashörnern und großen Rindern belegt eine außergewöhnlich große Anzahl dieser Tiere in Bilzingsleben. Dabei handelt es sich hauptsächlich um erwachsene Individuen, was gegen eine natürliche Alterszusammensetzung des Knocheninventars spricht. Einzig bei den Elefanten überwiegen junge Individuen, wie es in einem natürlichen Sterbeprofil zu erwarten wäre. Schnittspuren und Schlachtmarken auf mehreren Knochen belegen eindeutig, dass die Knochen zumindest zu einem gewissen Anteil Speisereste früher Menschen sind. Einige Knochen weisen Bearbeitungsspuren auf, die denen zur Herstellung von Knochengeräten gleichen.


Kooperationspartner

Publikationen

  • M. Brasser, The bigger picture - a (mega)faunal approach to the site of Bilzingsleben. Proceedings of the European Society for the study of Human Evolution 1 (Leipzig 2012) 47.
  • M. Brasser, Archäozoologische Untersuchungen an der Megafauna von Bilzingsleben – erste Ergebnisse. In: Hugo Obermaier-Gesellschaft, 53. Jahrestagung in Herne, 26.-30. April 2011 (Erlangen 2011) 14.