'Monte Bisenzio' von Norden (Foto: RGZM / A. Babbi).

Siedlung und Nekropolen in Bisenzio (Grafik: V. Gruenewald, bearbeitet von A. Babbi).

Bisenzio, Olmo Bello Nekropole, Grab 16, Plan und Schnitt (Grafik: nach R. Paribeni, Capodimonte – Ritrovamento di tombe arcaiche. Notizie degli Scavi 1928, Abb. 40-41).

Bisenzio, Olmo Bello Nekropole, Grab 22, Kesselwagen (nach M. Pallottino hg., Die Etrusker und Europa, Mailand - Paris 1992, S. 162).

 

Bisenzio. Multi-disziplinäre Erforschung eines bedeutenden etruskischen Zentrums von der jüngeren Bronzezeit bis in die Archaische Periode.

Das etruskische Bisenzio liegt auf einem Vulkankegel am Westufer des Bolsena-Sees. Trotz der geringen Zahl systematischer Feldforschungen bezeugt der Reichtum der Grabfunde, insbesondere der der Olmo Bello-Nekropole, zusammen mit der Größe des Siedlungsareals, dass Bisenzio zu den Hauptzentren der Villanova- und der frühetruskischen Kultur zählt. Die Siedlung entspricht in ihrer Größe der von Orvieto und spielt eine wichtige, eigenständige Rolle unter den großen protourbanen Zentren Südetruriens (Vulci, Tarquinia, Cerveteri, Veio und Orvieto). Bisenzio florierte für die Zeitspanne eines halben Jahrtausends (ca. 1000-500 v. Chr.) und ist anscheinend das einzige etruskische Zentrum, das sich aus einem Siedlungskern der Spätbronzezeit entwickelte. Der momentane Forschungstand in Bisenzio ist mangelhaft. Nur einige wenige Grabkontexte wurden bislang publiziert. Die Siedlungsforschung beschränkte sich auf eine kleine Ausgrabung auf der Kuppe des Monte Bisenzio in Jahre 1978/79 und einige Feldbegehungen unter Leitung der deutschen Archäologen Klaus Raddatz und Jürgen Driehaus zwischen 1972 und 1982. Der schlechte Forschungstand berücksichtigt nicht das große Potential dieser Fundstelle, denn es handelt sich um eines der wenigen etruskischen Zentren, die von einer späteren Überbauung verschont blieben. Da das antike Siedlungsareal von Äckern und einigen wenigen isolierten Bauernhäusern eingenommen wird, ist es für die archäologische Feldforschung fast uneingeschränkt zugänglich. 

wissenschaftliche Ziele des Projekts

Im Rahmen dieses Projektes soll der bisherige Fundbestand sowohl der wichtigsten Nekropole (Olmo Bello) als auch der bislang einzigen Siedlungsgrabung umfassend dokumentiert, untersucht und publiziert werden. Aufbauend auf den Untersuchungen von Raddatz und Driehaus sollen systematische Feldbegehungen im Siedlungs- und im Nekropolenbereich unternommen werden, um mehr Informationen zur räumlichen Gliederung von Bisenzio zu gewinnen. Neben den Feldbegehungen sind großflächige geophysikalische Prospektionsarbeiten geplant. 2013 wurde das Georadarverfahren in Bisenzio erfolgreich getestet, wobei vielversprechende Ergebnisse erzielt werden konnten. Alle erarbeiteten Ergebnisse der Feldbegehungen sollen georeferenziert in einem Geographischen Informationen System (GIS) gespeichert werden, das bereits eingerichtet wurde (Geoexplorer). Bisenzio besitzt das Potenzial für eine diachrone Studie, mit der die Entwicklung von einer kleinen defensiv ausgerichteten Höhensiedlung zu einem großen protourbanen Zentrum herausgearbeitet werden kann. Die verschiedenen Elemente dieses Projektes, die Höhensiedlung auf dem Monte Bisenzio, die Olmo Bello-Nekropole, die Feldbegehungen und die geophysikalische Prospektion sind eng miteinander verknüpft und unerlässlich, um ein solches Ziel zu erreichen.

Wissenschaftliche Struktur des Projekts

Das Projekt ist eine wissenschaftliche Kooperation zwischen dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum (Prof. Dr. Markus Egg) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Altertumswissenschaften Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie (Univ.-Prof. Dr. Christopher Pare). Die Soprintendenza Archeologia del Lazio e dell’Etruria Meridionale (Direktor Dr. Alfonsina Russo Tagliente / Koordination mit dem PB Dr. Valeria D'Atri) hat der Projektkoordination die nötige Erlaubnis erteilt, um das alte Zentrum von Bisenzio zu analysieren und darüber zu publizieren. Außerdem unterstützt die Soprintendenza die Forschung bezüglich einiger logistischer Aspekte. Zum Zweck der Analyse, Dokumentation und mit dem Ziel einer Publikation hat die Soprintendenza zum Teil den Zugang des italienischen Kulturerbes gewährt. So ist es dem Forschungsteam um Dr. Andrea Babbi möglich, die Dokumente in den Archiven vor Ort zu nutzen und die fast komplett unpublizierten Funde sowie die sehr reich ausgestatteten Lagerräume zu analysieren und zu dokumentieren. Auch bietet die Soprintendenza ihr eigenes Wissen über das seit langem geschützte Kulturerbe und dessen Landschaft an. 

Dr. Andrea Babbi, Initiator des Projekts, ist zugleich Koordinator des DFG-Projekts. Daneben wird Dr. Babbi für folgendes verantwortlich sein: Schnittstelle zu den italienischen Behörden/Institute; Studien zu und Publikation über den Olmo Bello Friedhof sowie Aufarbeitung einer Grabung bei Bisenzio (1978/1979); sechswöchiges Survey vor Ort sowie dessen wissenschaftliche Aufbereitung und Publikation.

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; 2015-2017). Die gesamte Projektlaufzeit ist auf 6 Jahre ausgelegt.

Publikationen | Aufsätze

Vorträge

  • A. Babbi, F. Delpino 'L’Etruria meridionale interna in età protostorica: riflessioni e suggestioni di ricerca', Invited Lecture, 29th Convegno di Studi Etruschi e Italici ‘L’Etruria delle Necropoli Rupestri’ - Teatro Il Rivellino "Veliano Lucchetti", Piazza F. Basile - TUSCANIA (VT), 26th October 2017
  • A. Babbi, ' Progetto multidisciplinare 'Bisenzio': nuove prospettive di ricerca', Invited Lecture, Soprintendenza Archeologia Belle Arti e Paesaggio per l'Area Metropolitana di Roma la Provincia di Viterbo e l'Etruria Meridionale - Palazzo Patrizi Clementi, Via Cavalletti 2 - ROMA, Sala delle Colonne Doriche, 29. May 2017
  • A. Babbi, "'Bisenzio' sul lago di Bolsena: il lago, il territorio, l'insediamento e le necropoli. Conoscenze pregresse e nuove ricerche', Invited Lecture, Università della Tuscia - Viterbo, Dipartimento di Scienze dei Beni Culturali, 12. April 2017
  • A. Babbi, ‘Bisenzio (Viterbo - Italy) between the Bronze Age and the Archaic period: the current state of knowledge of a frontier town between powerful Etruscan cities’, Invited Lecture, University of Cambridge, McDonald Institute for Archaeological Research, Later European Prehistory Group, 28 April, 2016.
  • A. Babbi, F. Miketta, Chr. Pare, ‘Bisenzio un progetto multidisciplinare’, Invited Lecture, Soprintendenza Archeologia del Lazio e dell'Etruria Meridionale, Polo Museale del Lazio, Università della Tuscia (Viterbo), 15 December, 2015
  • A. Babbi, ‘Progetto Multidisciplinare Bisenzio’, Lecture given at the XXIII Convegno Internazionale di Studi sulla Storia e l'Archeologia dell'Etruria: 'Dalla CAPANNA al PALAZZO Edilizia abitativa nell’Italia preromana', Orvieto, 11-13 December, 2015.

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