Caričin Grad: Space Syntax Methode

Die Space Syntax Methode wurde 1972 an der ’Faculty of the built environment’ des University College London (Bartlett Space Syntax Laboratory) von Bill Hillier and Julienne Hanson entwickelt. Ihre wegweisende erste Publikation, ’The Social logic of space’, reagierte auf theoretische und methodologische Anforderungen durch die Möglichkeit der Anwendung zur Analyse räumlicher Konfigurationen als Ausdruck sozialer Konstrukte sowohl im Bereich kompletter Siedlungen (’Alpha analysis’) als auch einzelner Gebäude (’Gamma analysis’).

Die Anwendung der ’Alpha analysis’ erfordert die Dekomposition eines Siedlungsplanes in axiale Linien, welche Wegesystemen entsprechen und so die ’axial map’ produzieren (Fig. 1/2). Dabei wird jeder Punkt einer Axiallinie sowohl als Teil linear erfassten Raumes; sowie zugleich auch als Teil des ’fully convex fat space’ – seiner maximalen Ausdehnung in die zweite Dimension -  betrachtet. Daher zeigt die ’axial map’ die reduzierteste Version der Axiallinien, welche durch jeden Freiraum, bzw. Wege und Plätze, innerhalb einer Siedlung führen.

Demgemäß produziert die Dekomposition eines Planes in ’convex spaces’ die reduzierteste Anordnung freien Raumes (Fig. 3). Siedlungen unterscheiden sich durch das Maß an axialer und konvexer Ausdehnung sowie die Relation zwischen diesen beiden Faktoren. Auf der Basis dieser beiden grundlegenden Anordnungen können diverse Aspekte analysiert werden.

40 Jahre kontinuierlicher Anwendung und Verbesserung zur Darstellung; Simulation, Analyse sowie zum Vergleich räumlicher Layouts und ihrer sozialen Komponenten eröffnen ein weites Feld unterschiedlicher Anwendungsmöglichkeiten als empirischer Methode der Stadtplanung. Die Space Syntax Analyse wurde ebenfalls in archäologischen und ethnographischen Kontexten angewandt, erfuhr aber keine so weite Verbreitung wie in zeitgenössischen westlichen Kontexten.

Die Quantifizierung möglicher Bewegungsmuster erlaubt beispielsweise, statistische Aussagen zur Zugänglichkeit bestimmter Bereiche einer Siedlung – äquivalent zu den Zugangsmöglichkeiten für >Fremde< und >Einheimische< oder zu potentiell sozial gesehen ’sicheren’ oder ’unsicheren’ Arealen vorzunehmen. In Bezug auf einzelne Gebäude können unter anderem Hierarchien zur Nutzung einzelner Räume erstellt werden.

Die Methode analysiert das Areal nördlich außerhalb der Akropolismauer von Caričin Grad, hierbei wird ein starker Fokus auf den Bewegungsmustern in diesem Bereich liegen.

Ziel ist, ein Szenario der dort präsenten sozialen Gruppen sowie ihrer möglichen Rolle innerhalb des sozialen Gesamtgefüges der Stadt zu entwickeln. Zudem wird diskutiert, wer den dortigen Bauprozeß initiierte und auf welche Weise dieser sich im Lauf seiner Entwicklung verändert haben könnte.

Die ’Alpha analysis’ von Caričin Grad wird durch eine ’Gamma analysis’ sowie überregionale Vergleiche mit den antiken Stätten Horvat Sa'adon in Israel, Umm el-Jimal in Jordanien und Sergilla in Syrien ergänzt, um ein potentielles Szenario der dortigen antiken Gesellschaft zu entwickeln, welches Raum zur Diskussion bieten soll.