Gürtelschnalle gefertigt in Cloisonné-Technik Typologie Azille. O42677. Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz. (Foto: Toni Juárez)

Gürtelschnalle gefertigt in Cloisonné-Technik. 0.42678. Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz. (Foto: Toni Juárez)

 

Cloisonné im westgotischen Spanien

(abgeschlossen)

Am westlichen Rand des mediterranen Wirtschaftsraumes gelegen nimmt die Iberische Halbinsel eine Sonderposition ein. Seit dem ausgehenden 5. Jahrhundert hatte sich hier das westgotische Königreich etabliert, das bis zur arabischen Eroberung 711 bestand. Besonders aus Zentralspanien sind Gräberfelder des 6. Jahrhunderts bekannt, die eine große Menge cloisonnierter Kleinfunde (Fibeln und vor allem Gürtelschnallen) erbracht haben, die sich heute in den großen spanischen archäologischen Museen befinden. Hinzu kommen zahllose Objekte aus Privatsammlungen in aller Welt, die vermutlich aus Raubgrabungen stammen und heute ohne Kontext sind. Cloisonnéarbeiten aus dem westgotischen Spanien sind aber so charakteristisch, dass selbst diese Sammlungsfundfunde problemlos bestimmt werden können. Es handelt sich bei den typischen Gürtelschnallen mit großem rechteckigem, komplett mit Einlagen verziertem Beschlag zweifellos um lokale Erzeugnisse.

Gerade die Einlagen sind von besonderem Interesse, denn im frühmittelalterlichen Spanien wurden hierfür im hohen Maße bunte Glasplättchen genutzt; auch aus rotem Glas (was herstellungstechnisch für diese Zeit ungewöhnlich ist). Almandin hingegen tritt scheinendbar seltener auf. Dabei ist aber zu beachten, dass die spanischen Objekte allem Anschein nach Massenware waren. Alle sind in Bronze gearbeitet und technisch nicht besonders anspruchsvoll. Dennoch bieten die farblichen Kombinationen der Einlagen einen Ansatzpunkt, um Hinweise zur symbolischen und/oder sozialen Bedeutung zu bekommen. Es ist von großem Interesse, dass im frühbyzantinischen Reich ebenfalls cloisonnierte Schnallen mit Glaseinlagen auftreten – und zwar ebenfalls als Massenware. Es sind dort, im östlichen Mittelmeerraum, zwar vollkommen andere Formen, aber eben auch mit bunten Farbkombinationen.

Im westgotenzeitlichen Spanien endet das Cloisonné wie auch im merowingischen Frankenreich und im östlichen Mittelmeerraum im ausgehenden 6. Jahrhundert. Zuverlässige Chronologiesysteme wurden in den letzten Jahren erarbeitet und so kann sich das Teilprojekt nun auf die symbolische und soziale Bedeutung des Cloisonnés, sowie auf goldschmiedetechnische Details konzentrieren und diese im zeitlichen Wandel analysieren.