Das eisenzeitliche Gräberfeld von Wörgl in Nordtirol – Leben in einer Grenzregion

Das eisenzeitliche Urnengräberfeld von „Egerndorfer Wald bzw. Feld“ in Wörgl (Bez. Kufstein, Tirol) wurde bereits 1838 entdeckt. 1934-1937 wurden von dem berühmte Vorgeschichtler Gero v. Merhart weitere Grabungen durchgeführt, die durch de Rodung des bis dahin bewaldeten Grundstückes ausgelöst wurden. In mehreren Kampagnen zwischen den Jahren1982 und 2004 wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Liselotte Zemmer-Plank und Mag. Wolfgang Sölder vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck über 600 Brandgräber geborgen. Da das Gräberfeld von Wörgl einen Schlüsselfund für den Tiroler wie den bayerischen Raum darstellt, werden die modern ergrabenen Bestattungen in Kooperation mit dem Innsbrucker Museum in Mainz restauriert und wissenschaftlich ausgewertet.

Das Gräberfeld von Wörgl zählt von seinen Grabsitten und vom Grabbau her betrachtet zur Gruppe der inneralpinen Bestattungsplätzen in Salzburg und Tirol, die schlichte Brandgräber mit einer Tonurne und ein oder zwei keramischen Beigefäßen auszeichnen. Diese Grabsitten wurden während der gesamten Laufzeit des Wörgler Gräberfeldes von Ha C 1 (8. Jahrhundert v. Chr.) bis Lt B (4. Jahrhundert v. Chr.) strikt eingehalten. Von diesen lokalen Bestattungsbräuchen heben sich freilich die Metallbeigaben wegen ihrer recht unterschiedlichen Herkunft sehr deutlich ab. Besonders eindringlich lässt sich dies am Beispiel der Frauentracht der Stufen Ha C 2 bis Ha D 1 (um 600 v. Chr) belegen: Die Bein- und Armringe orientieren sich am nahegelegenen Bayern bzw. Baden-Württemberg, die Fibeltracht in den Gräbern richtet sich nach dem Gräberfeld von Hallstatt in Oberösterreich aus. Die Gürteltracht folgt italischen Vorbildern: es finden sich Gürtelplatten aus Venetien ebenso wie aus der Lombardei und ein Exemplar stammt sogar aus Etrurien. Einige Ösenhalsringe und Fibeln weisen auf Verbindungen nach Slowenien hin. Eine ähnliche Grenzlage zwischen Mitteleuropa und Italien zeigen auch die Waffen der Männer aus dem Wörgler Gräberfeld. Neben Hallstattdolchen aus der Region nördlich der Alpen finden sich Este-Dolchmesser aus Oberitalien. Im Fokus der Fragestellungen unserer Forschungen wird stehen, wie es neben den sehr bodenständigen Grabsitten zu eine solch „eklektizistischen“ Bereitschaft zur Übernahme fremder Tracht- und Waffenelemente kam.