Auswahl der Beigaben aus dem Grab II (nach D.G. Lollini, Rapporto tra area romagnola e picena nel VI-IV sec. a.C. In: G. Bermond Montanari (Hrsg.), La Romagna tra VI e IV sec. a.C. nel quadro della protostoria dell’Italia centrale. Atti del convegno, Bologna, 23-24 ottobre 1982 (Bologna 1985) 324, Abb. 1)

 

Der »Circolo delle Fibule« von Numana

Ein dringendes Desiderat in der archäologischen Forschung zum vorrömischen Italien und zur Eisenzeit ist die Publikation von Grabkontexten aus dem Picenum – das antike Gebiet, das ungefähr der heutigen Region Marche und den nördlichen Abruzzen entspricht. Viele dieser Gräber wurden bereits ausgegraben und liegen vor allem in den Nekropolen des antiken Numana (heutige Gemeinde von Numana und Sirolo, Prov. Ancona). Dort wurde u.a. 1970 eine Gruppe von neun Gräber entdeckt, die von einem breiten, im Boden eingetieften Kreis umfasst waren. Diese neun Bestattungen – vermutlich von den Mitgliedern einer Familiengruppe – enthalten extrem reiche Ausstattungen und zeichneten sich u.a. durch die Deponierung zahlreicher Fibeln aus, die die Körper der Bestatteten teilweise komplett bedeckten. Aufgrund dieses Merkmales wird der Fundkomplex als „Circolo delle Fibule“ („Kreisgraben der Fibeln“) bezeichnet und stellt einen der wichtigsten Grabkontexte aus der Eisenzeit auf der italischen Halbinsel dar.

Ziel dieses Forschungsvorhabens ist deshalb die wissenschaftliche Aufnahme und Auswertung der überaus fundreichen Bestattungen des „Circolo“. Grundlegend dafür ist sowohl die typologisch-chronologische Klassifizierung aller Beigaben als auch die Auswertung ihrer Vergesellschaftung in den einzelnen Gräbern. Weiterhin sollen Untersuchungen zum Grabritus erfolgen. Die Erforschung des „Circolo“ soll neues Licht auf kulturelle bzw. soziale Phänomene der picenischen Gesellschaft von Numana während der archaischen Zeit werfen. Das Forschungsprojekt soll als Pilotprojekt interpretiert werden, das als Referenz für zukünftige Untersuchungen zum Picenum und eisenzeitliche Nekropolen innerhalb und außerhalb der italischen Halbinsel herangezogen werden kann.

Förderung

Fritz Thyssen Stiftung