Die Erprobung von 3D-Methoden zur Untersuchung mobiler Kunst im späten Jungpaläolithikum

Die gravierten Schieferplatten des Fundplatzes Gönnersdorf (Rheinland) gehören zu den wichtigsten Kunstwerken der Steinzeit. Sie stellen ein einzigartiges Zeugnis für die Regelwerke gesellschaftlichen Lebens und künstlerischen Schaffens vor 15.000 Jahren dar.

Alexandra Güth untersucht ausgewählte gravierte Schieferplatten erstmals unter Anwendung eines 3D-Scanverfahrens. Dabei hat sich gezeigt, dass die Anwendung von 3D-Methoden und die Arbeit mit hochauflösenden virtuellen Oberflächen dazu geeignet sind, Zusammensetzungen von Einzeldarstellungen und mögliche szenische Darstellungen objektiver zu erfassen. Ziel ist es, einen Einblick in den Aufbau und die Ausführung der Gravierungen, insbesondere hinsichtlich möglicher Darstellungskonventionen, Stilmittel oder Handschriften zu erhalten. Die Differenzierung von Merkmalen in Verbindung mit Details hinsichtlich des Gestaltaufbaus lassen erste Rückschlüsse über Fähigkeiten oder Intentionen eines Künstlers zu, er wird als Individuum für uns greifbarer. Hierbei spielen auch Experimente eine wichtige Rolle.

Insgesamt werden 16 Platten der Fundplätze Gönnersdorf und Andernach durch 3D-Scans erfasst, mikroskopisch umgezeichnet und digital analysiert. Die vergleichende Auswertung der Analysen von Pferdedarstellungen in der Kunst benachbarter Fundplätze könnte Übereinstimmungen, gemeinsame Darstellungskonventionen oder sogar individuelle Handschriften zeigen.


Kooperationspartner

Publikationen

  • A. Güth, Using 3D scanning in the investigation of Upper Palaeolithic engravings: first results of a pilot study. In: Journal of Archaeological Science 39,10 (2012) 3105-3114.