Die Jagd im Pleistozän: ökologisches Diktat und sozialer Konsens Vernetzung von archäologischer Faunenanalyse und bio-/geochemischer Isotopenanalyse

(abgeschlossen)

Die Entwicklung des menschlichen Jagdverhaltens im Paläolithikum ist durch die intensiven Forschungen der letzten Jahrzehnte mittlerweile gut erschlossen. Nicht nur die Befähigung zur Jagd, sondern auch verschiedene Jagdtaktiken und –strategien wurden durch taphonomische Untersuchungen pleistozäner Faunen analysiert.

Zur Sicherung der Nahrungsgrundlage ist die Jagd überlebenswichtig. Sie ist daher als Motor unserer Verhaltensevolution eng an ökologische Einflussgrößen und allgemeine Umweltbedingungen geknüpft. Unberücksichtigt bleibt dabei allerdings, dass der Ursprung der menschlichen Jagd möglicherweise gar nicht in einem ernährungsrelevanten Bezug steht, sondern im Kontext intraspezifischer Konkurrenz und sozialer Dynamik zu finden ist. Soziale Faktoren können einen viel größeren Einfluss auf die Jagd im Pleistozän ausgeübt haben, als bisher vermutet.

Völlig unbeachtet blieb bisher die grundlegende Frage nach den Beweggründen zu der im archäologischen Kontext erkenntlichen Jagd. Haben Menschen bewusst nur bestimmte Ausschnitte der Wildbestände bejagt oder spiegelt die Jagdbeute tatsächlich die Artenvielfalt und Dichte von Populationen eines bestimmten Gebietes wider? Detailliertes Wissen über das Artenspektrum und Verhalten von Wild in abgegrenzten Siedlungskammern kann hier einen entscheidenden Baustein liefern, die Jagd im Gesamtgefüge der Subsistenz besser zu verstehen.

Dieses Ziel verfolgt unsere Vernetzung von Faunen- und Isotopenanalyse. Wir möchten die grundlegenden und allgemeinen Fragen zur Jagd und Subsistenz konkret ansprechen und in einzelnen Untersuchungen anpacken. Die erste Frage gilt dem Migrationsverhalten von Tieren.