Aus Kupfer getriebene Flasche mit Stülpdeckel aus Aidlingen, Kr. Böblingen (BW), Ende 6. bis 7. Jh. n. Chr. (Foto: RGZM / S. Steidl).

Gegossenes Becken aus Buntmetall mit zwei Henkeln und durchbrochenem Standring aus Aidlingen, Kr. Böblingen (BW), Ende 6. bis 7. Jh. n. Chr. (Foto: RGZM / S. Steidl).

 

Die mediterranen Buntmetallgefäße aus Aidlingen, Lkr. Böblingen, BW

Die zwei frühmittelalterlichen Buntmetallgefäße aus Aidlingen wurden höchstwahrscheinlich in Ägypten und/oder dem östlichen Mittelmeerraum hergestellt und anschließend nach Westeuropa transportiert, wo sie als Beigaben in einem merowingerzeitlichen Grab niedergelegt wurden. Im Rahmen des Projekts werden die unterschiedlichen Produktionsbedingungen der Gefäße – das eine wurde im Gussverfahren hergestellt, das andere getrieben – untersucht sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen, die zur Übermittlung derartiger Objekte nach Mittel- und Westeuropa beigetragen haben.

Bereits vor mehreren Jahrzehnten kam in Aidlingen bei unbeobachteten Bautätigkeiten ein Ensemble aus zwei Buntmetallgefäßen ans Tageslicht, die wohl ursprünglich in einem  merowingerzeitlichen Grab als Beigaben niedergelegt worden waren. Es handelt sich um ein gegossenes und mit zwei beweglichen Henkeln versehenes Becken und eine getriebene Kupferflasche mit Stülpdeckel, die ursprünglich einen Griff besaß. Während das Becken zu einem in Westeuropa gängigen Typus gehört (Typ B1 nach J. Werner / Beckenform 2 n. Werz), dessen Produktion im östlichen Mittelmeergebiet, höchstwahrscheinlich in Ägypten gesucht werden muss, stellt die Kupferflasche eine Besonderheit im frühmittelalterlichen Westen dar: Lediglich in Italien (Spilamberto) und im Grab des „Prince of Prittlewell“ (UK) wurden ähnliche Gefäße gefunden. Angesichts der zahlreichen Parallelfunde aus dem östlichen Mittelmeerraum ist an einer Herkunft von dort nicht zu zweifeln.

Das Gefäßensemble bietet die Möglichkeit, eine Reihe von Aspekten der frühmittelalterlichen Buntmetallproduktion und -distribution zu untersuchen. Mittels naturwissenschaftlicher Analysen der Objekte und weiterer Parallelfunde können Aussagen zum Herstellungsprozess getroffen werden, außerdem wird eruiert, inwiefern Angaben zur Herkunft der Rohstoffe möglich sind. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, wie der Transport der Gefäße nach Westeuropa erfolgte und welche Mechanismen diesem zugrunde liegen. Insbesondere für die im Westen seltenen Kupferflaschen sind auch funktionale Aspekte zu klären sowie ihre gesellschaftliche Bedeutung.