Komplex Urätischer Bronzehelme (um 800 v. Chr.) aus den Sammlungen des RGZM (Foto: RGZM / R. Müller).

 

Ein Komplex Urartäischer Bronzen im RGZM

(abgeschlossen)

Das Urartäische Königreich (Urartu) existierte zwischen der 2. Hälfte des 9. Jhs v. Chr. und der 2. Hälfte des 7. Jhs v. Chr. Es umfasste einen großen Teil der heutigen Osttürkei, das iranische Azerbeijan, Armenien, die autonome Republik von Nachicevan sowie einen kleinen Teil des Iraks. Die Hauptstadt des Urartäischen Reichs war Tušpa an der Küste des Vansees in der Osttürkei. In alten Quellen wir Urartu als mächtiger Gegner des Assyrischen Reichs bezeichnet.

Die Urartäische Sammlung des RGZM umfasst einen Komplex von 870 Bronzeartefakten, die während der 1970-er und 1980-er Jahre aus dem Kunsthandel angekauft wurden. Die Objekte, die als ein geschlossener Fundkomplex veräußert wurden, können in sieben Kategorien eingeordnet werden: Waffen, Werkzeuge, Pferdegeschirr, Wagenbeschläge, Möbel, Gefäße und Gürtel. Hauptziel des Projekts ist es, einen Katalog dieser Urartäischen Bronzen zu erstellen. Der Fokus soll dabei auf technologischen Eigenschaften sowie Metallanalysen, aber auch auf Inschriften, Symbolen und speziellen Dekorierungen liegen. Zudem sollen die Objekte mit weiteren Urartäischen Bronzefunden aus gesicherten archäologischen Fundzusammenhängen verglichen werden, um eine präzise Chronologie zu erarbeiten und kulturelle Betrachtungsweisen durchzuführen. Gleichsam sollen die Vergleiche dazu dienen, die Funde geographisch einordnen zu können, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie aus dem Gebiet des Vansees (Osttürkei) stammen.

Die Materialsammlung des RGZM umfasst Objekte größter Bedeutung: Einige stammen – wie Inschriften belegen – aus dem Besitz des Königs Išpuini (830-810 v. Chr.) und seinem Sohn König Menua (810-785/780 v. Chr.). Das legt die Vermutung nahe, dass die RGZM-Bronzen aus der Urartäischen Phase stammen, in der sich die eigene Schrift und das eigene Alphabet in der Urartäischen Kultur etablierte. Davor verwendeten die Urartäer die Assyrische Schrift.

Alle gefundenen Objekte wurden vermutlich absichtlich zerstört. Sie weisen eine ähnliche Patina auf. An manchen Objekten lassen sich Abdrücke anderer, aus demselben Komplex stammender Bronzen feststellen. Das spricht dafür, dass alle Artefakte aus demselben Fundkomplex stammen, einem sogenannten „susi“-Tempel. Die Art der Zerstörung deutet zudem darauf hin, dass es sich bei der Deponierung des Komplexes um eine rituelle Opfergabe handelt. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass die systematische Zerstörung der Bronzen und deren Deponierung zeitgleich erfolgte (800-750 v. Chr.).
Das Studium von Votivgaben dieser Art mit Königsinschriften soll dabei helfen, die soziale Herkunft und die kulturellen Werte der Menschen zu verstehen, die diese rituellen Praktiken in Urartäischer Zeit durchführten. Zudem leisten die Untersuchungen einen Beitrag zum Verständnis menschlicher Opferpraktiken im Allgemeinen.