Ein Platz an der Tafel der Raubtiere - Die Bedeutung der Jagd für die früheste Besiedlung Europas im ökologischen Kontext

(abgeschlossen)

Die Großwildjagd gilt als eine wichtige Voraussetzung für die erste Besiedlung Europas. Die Wahl der Nahrungsquellen und die Strategien ihrer Ausbeutung sind in erster Linie von den Umweltbedingungen abhängig. Das Projekt untersucht, welche ökologischen Gegebenheiten die früheste Besiedlung Europas beeinflusst haben können.

Europa war im Eiszeitalter durch extreme Warm- und Kaltzeiten geprägt. Als die kalten Klimaphasen immer länger wurden, haben sich die Großwildgemeinschaften markant verändert. Eine solche Umwälzung kann für den Menschen eine freie ökologische Nische unter den Jägern geschaffen haben, eine Grundlage für die erfolgreiche dauerhafte Besiedlung Europas.

Um dieses Szenario zu überprüfen, wurden aktuelle Ergebnisse zur Subsistenz früher Menschen evaluiert und den Faunenentwicklungen während des Eiszeitalters gegenübergestellt.

Die archäozoologischen Untersuchungen an der Fundstelle Gesher Benot Ya’aqov/IL beweisen, dass sich die bis zum Ende des Eiszeitalters gängigen Methoden der Ausbeutung von Jagdwild bereits vor 800000 Jahren etablierten.

Aus dieser Zeit gibt es in Europa kaum Besiedlungsspuren. Erst seit rund 600000 Jahren belegt eine Fülle von Fundstellen eine spätestens jetzt einsetzende permanente Besiedlung.

Die kritischen Zeitscheiben der Besiedlung Europas wurden nun mit den zeitgleichen Entwicklungen der Fauna verglichen:

Die Zeit vor rund 1 Million Jahren bildet dabei einen markanten Einschnitt. Die Eiszeitzyklen werden länger, so dass sich zunehmend offene Landschaften ausbreiten. Infolgedessen ersetzen an dieses Habitat besser angepasste Arten die bisherigen Tiergemeinschaften. Es entsteht ein Ungleichgewicht: Auf der einen Seite standen immer größer werdende Pflanzenfresser, auf der anderen Raubtiere, die nicht auf derartige Beute spezialisiert waren. Damit wurde tatsächlich eine ökologische Nische vakant, die frühe Menschen eingenommen haben könnten, indem sie ihre Jagd auf große Säugetiere fokussierten.


Publikationen

  • L. Kindler, S. Gaudzinski-Windheuser, Out of Africa and Into europe. Hominin Ecology, Faunal Change and Pleistocene “Dark Ages”. Proceedings of the European Society of Human Evolution 1 2012, 111.
  • L. Kindler, S. Gaudzinski-Windheuser, Hominins vs. carnivores in the northern part of Europe – coevolution, competition and niche construction. A survey of the Pleistocene faunal record. Book of Abstracts: Hominid-Carnivore Interactions, International Congress Salou, 25.-28.Oktober 2011, 40.