Emaillierte Glasgefäße von der Römerzeit bis ins Mittelalter

Mit drei kleinen Scherben eines emailverzierten Glasbechers aus dem germanischen Fürstengrab von Lübsow (Po) eröffnete sich 2006 ein neues wissenschaftliches Blickfeld auf eine wirtschaftlich wie technisch aussagekräftige Materialgattung von Luxusgläsern, deren wissenschaftliche Bearbeitung kontinuierlich weiter ausgebaut wird.

Unter dem europäischen Fundgut der Antike und des Mittelalters sind zwei Perioden zu verzeichnen, die uns emailverzierte Glasgefäße in größerer Anzahl überliefert haben. Zum einen die Glasproduktion der römischen Kaiserzeit zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert, zum anderen die des Mittelalters, mit den typischen, zunächst als »syro-fränkische Becher« bezeichneten Glasgefäßen des »Aldrevandin-Typs«. Zeitlich ähnlich ist die Produktion der quantitativ wie qualitativ herausragenden emailverzierten Glasgefäße im islamischen Bereich gelagert.

Die vorliegende Studie im Forschungsfeld »Wirtschaft und Technik« befasst sich mit den wichtigsten technologischen Merkmalen der drei Gruppen aus diachroner Perspektive und diskutiert die auftretenden Gemeinsamkeiten vor dem Hintergrund einer ungebrochenen Fortsetzung der Werkstatttraditionen in der Glasmalerei. Durch die Objektuntersuchungen im Archäometrielabor und darauf aufbauenden Literarturrecherchen werden die Emailfarben und Pigmente erfasst, das Grundglas der Emailfarben sowie das der Gefäße selbst chemisch analysiert. Die Maltechnik ist ebenfalls Gegenstand der Betrachtungen.

Dabei interessiert insbesondere die Beziehung zwischen diesen Luxusgläsern und den einfachen Glaswaren der jeweiligen Epochen. Sind die einen nur die veredelten Verwandten der anderen oder sind völlig andere Marktmechanismen am Werk? Außerdem wird die zeitliche und regionale Entwicklung der Emailliertechnik auf Glasgefäßen untersucht. Zudem liefert der Vergleich zwischen Emailverzierungen auf Metallobjekten und der Technik auf Glaswaren Hinweise auf technologische Verwandtschaften und charakteristische Unterschiede.

Neben dem Arbeitsbereich Archäometrielabor sind die Kompetenzbereiche Restaurierung und Koservierung sowie Naturwissenschaftliche Archäologie beteiligt.