Forschungsfeld 5 Wirtschaft und Technik, Leitfrage (Grafik RGZM / M. Ober)

 

Wirtschaft und Technik

Menschen gestalten durch Technikeinsatz und die Bewirtschaftung von Ressourcen geeignete Lebenswelten für ihre Bedürfnisse. Technische und wirtschaftliche Entwicklungen werden daher als besonders prägend sowohl für das Leben des Einzelnen als auch für Gesellschaften wahrgenommen. Entsprechend groß ist das Bedürfnis, die komplexen Vorgänge zu verstehen, von denen diese Entwicklungen bestimmt werden.

Vorgehensweise und Ziele

Ziel des Forschungsfeldes ist es, das technische und wirtschaftliche Handeln des Menschen aus ganzheitlicher und diachroner archäologischer Perspektive zu ergründen. Die Forschungen konzentrieren sich dabei auf die Schlüsselbegriffe Innovation – Technologietransfer – Umgang mit Ressourcen. Indem alle Studien im Forschungsfeld den Filter dieser Schlüsselbegriffe durchlaufen, sollen Regelhaftigkeiten herausgearbeitet werden. Dadurch möchten wir die Konventionen und Regelwerke erkennen, die hinter technischen und ökonomischen Prozessen stehen.

Durch seine Langzeitperspektive will das Forschungsfeld auch zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs beitragen. Mit Ressourcenverbrauch, Innovation und Technologietransfer werden Themen von dauerhafter Aktualität besetzt. So birgt beispielsweise die Verfügbarkeit wichtiger Ressourcen bis heute ein hohes Konfliktpotenzial. Nicht zuletzt vom planvollen Umgang mit diesen Ressourcen, gepaart mit Innovationskraft, hängt auf lokaler wie auf globaler Ebene unsere Zukunft ab. Der Besitz von wegweisenden Technologien ist beinahe untrennbar mit Fragen von Macht und Herrschaft verwoben. Auch die „globale“ Perspektive antiker Wirtschaftsräume schlägt eine Brücke zum Heute. Daher versucht das Forschungsfeld, frühe Globalisierungsprozesse und mögliche Wirtschaftskrisen zu rekonstruieren.

Konkret geschieht dies in ausgewählten Forschungsthemen. Gegenwärtig sind zwei Forschungsthemen definiert: „Vormoderne Industriereviere“ sowie „Frühe Handelsstrukturen und Verkehrswege“. Die darin erarbeiteten Ergebnisse sollen schließlich zur Formulierung einer Synthese unter der Leitfrage „Wie entstehen und entwickeln sich komplexe Wirtschaftsräume?“ führen. Schnittstellen zu anderen Forschungsfeldern ergeben sich unter dem Stichwort Waren- und Technologietransfer vor allem zu „Kulturkontakte“ sowie unter dem Aspekt von Entwicklungen und Konjunkturen zu „Gesellschaftliche Wandlungsprozesse und Dynamiken“.

Methodische Ansätze

Im Forschungsfeld wenden wir ein breit aufgestelltes Methodenspektrum an. Dazu gehören archäologische Feldforschung und Befundanalyse sowie antiquarische, kunsthistorische, naturwissenschaftliche, technische und restauratorische Objektanalyse, aber auch Netzwerkanalyse, GIS-basierte Simulationen, statistische Methoden, Auswertung von Datenbanken und das Experiment. Die Forschungen sind diachron und überregional angelegt, um Phänomene wie Fernhandel und Techniktraditionen über lange Zeiträume und große geographische Räume hinweg bewerten zu können.

Darüber hinaus sollen die Forschungen einen archäologischen Beitrag zum theoretischen Diskurs in Ökonomie und Technologie liefern, vor allem zu der seit langem diskutierten Leistungsfähigkeit vormoderner Wirtschaftssysteme. Zudem nutzt das Forschungsfeld mit dem Least-Cost-Mapping sowie der angewendeten Netzwerktheorie selbst zwei auf theoretischen Überlegungen fußende Verfahren.