Forschungsthema 2: Ernährung

Hunger ist der Motor zur Entwicklung unseres Verhaltens. Ernährung ist nie reine Energieversorgung gewesen, sondern hat immer auch eine soziale und kulturelle Bedeutung: Essen ist Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Unsere Ernährung ist durch die Notwendigkeit geprägt, immer wieder neue Strategien zur Ausbeutung von Nahrungsressourcen zu entwickeln – als Allesfresser vermag der Mensch eine große Bandbreite pflanzlicher und tierischer Nahrungsquellen in ganz unterschiedlichen Anteilen und auf innovative Weise zu nutzen. Zugleich sind wir was unsere Ernährung betrifft konservativ.

Studien zu Ernährung bilden den Dreh- und Angelpunkt zum Verständnis menschlicher Verhaltensentwicklung. Diachron angeordnete Projekte erforschen die Auswahl, Beschaffung, Verarbeitung und Vorratshaltung von Nahrung sowie die dazu erforderlichen Technologien und Landnutzungssysteme im Zusammenhang mit Siedlungsverhalten und Gesellschaftsstruktur. Das Aufkommen der Großwildjagd ist eines der beeindruckendsten und wichtigsten Kapitel der Geschichte unserer Verhaltensentwicklung. Innovative Technologien, Kommunikation und soziale Kooperation sind Voraussetzungen für die erfolgreiche Großwildjagd. Durch sie konnte der Mensch neue Plätze im ökologischen Kreislauf besetzen.

Eine andere, unsere Ernährung bis heute prägende Entwicklung ist durch die Fundstelle Taforalt/MA überliefert: Innerhalb eines Territoriums wird ein breites Spektrum von Nahrungsressourcen intensiv ausgebeutet. Die Großwildjagd wird durch die Jagd auf kleinere Tiere ergänzt; Pflanzen, Vögel, Fische und Schnecken runden den Speiseplan ab. So bildet er die Grundlage für Intensivierungsstrategien, die zum Ende des Eiszeitalters in vielen Teilen der Welt beginnen und eine bis heute fortschreitende Erhöhung der Nahrungserträge pro Fläche einleiten.

Die Entwicklung frühmenschlicher Jagdstrategien und -techniken im Verhältnis zu den ökologischen Rahmenbedingungen sowie die Differenzierung des Nahrungsspektrums und die Intensivierung seiner Ausbeutung im ausgehenden Eiszeitalter stehen als prägnante Entwicklungsschritte im Vordergrund der Forschungsprojekte zur Ernährung.