Funktionelle Untersuchungen Paläolithischer Steingeräte mithilfe der Geometrischen Morphometrie

(abgeschlossen)

Verschiedene Steingeräte, darunter alt- und mittelpaläolithische Faustkeile und Atérien Stielspitzen von Nordafrika wurden mithilfe der Elliptischen Fourieranalyse untersucht. Dabei wurden funktionsbedingte geometrische Veränderungen festgestellt, die quantifiziert und verglichen werden können.

Bei den meisten Steingeräten wurde festgestellt, dass sie durch das Nachschärfen nicht nur kleiner werden, sondern auch die Form ändern.

Bei den Faustkeilen fällt ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Geräten des Alt- und des Mittelpaläolithikums auf, der wahrscheinlich funktionell bedingt ist. Im Altpaläolithikum (Acheuléen) wird die Spitze des Faustkeils während ihrer Nutzungsgeschichte immer kleiner, deshalb sind die kleinsten Faustkeile meist rundlich. Bei den mittelpaläolithischen Faustkeilen hingegen bleibt die Form fast immer gleich (Iovita und McPherron, 2011). Dieser Unterschied deutet auf eine Verhaltensänderung hin: mittelpaläolithische Homininen bemühten sich die Gestalt ihrer Geräte konstant beizubehalten. 2013 werden die ältesten Faustkeile des Europäischen Acheuléens (der Fundstelle La Noira, Frankreich) im Rahmen einer Kooperation mit M-H Moncel (MNHN, Paris) mittels elliptischer Fourieranalyse untersucht, um dabei die bekannten Muster noch einmal zu überprüfen. 

Im Fall der afrikanischen Atérien-Stielspitzen, entsteht eine größere Formenvielfalt; sie sind insbesondere häufiger asymmetrisch. Die Stiele der größten Stücke sind unverhältnismäßig groß verglichen mit den kleineren Stücken. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass die sogenannten Aterien-»Spitzen« vermutlich eher als geschäftete Kratzer denn als Pfeilspitzen interpretiert werden können.


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