Karte der identifizierbaren Orte des Synaxars von Konstantinopel (Grafik: RGZM / S. Albrecht).

zu Bild 2: Karte der Identifizierbare Orten des Synaxars von Konstantinopel im Bereich der Ägäis (Grafik: RGZM / S. Albrecht).

 

Hagiotopographie und das Synaxar von Konstantinopel

Das Synaxar von Konstantinopel gehört zu den am weitesten verbreiteten Gebrauchstexten der Orthodoxie. Als umfassende Sammlung hagiographischer Notizen bietet der Text ein Verzeichnis aller verehrungswürdigen Orte des Reiches und stellt zwischen ihnen auf spirituelle Weise Raumbeziehungen her.

Das im 10. Jh. entstandene Synaxar von Konstantinopel gehört mit seinen Übersetzungen und Revisionen zu den bestrezipierten liturgischen Gebrauchstexten der Orthodoxie.

Es war dabei die erklärte Absicht der Synaxaristen, eine umfängliche Sammlung von Notizen anzulegen, bei der es ihnen wesentlich darum ging, den Ort der Geburt, des Lebens, des Leidens, des Todes und des Grabes eines jeden Heiligen und einer jeden Heiligen mitsamt der dazugehörigen Vita in aller gebotenen Kürze wiederzugeben. Von Anfang an war also das Synaxar insbesondere auch ein Ortsverzeichnis all jener Orte, die mit den Heiligen der ganzen Ökumene in Beziehung standen.

Durch die reiche Verbreitung und intensive Rezeption, die nicht nur durch Klosterbibliotheken, sondern auch in Bücherverzeichnissen von Privatleuten belegt ist, machte es ungeachtet aller Variationen und Abweichungen im Detail einen mehr oder weniger einheitlichen Bestand an verehrungswürdigen Orten und mithin möglichen Zielen einer Pilgerreise im ganzen Reich bekannt, unter denen natürlich vor allem Konstantinopel und die biblischen Orte des Heiligen Landes eine besondere Rolle spielten. Dadurch wurden einerseits möglicherweise auch bis zum Entstehen dieser Sammlung vollkommen unbekannte oder vergessene Heilige vorgestellt, deren Kult sich erst jetzt und dadurch überhaupt oder neu etablieren konnte, andererseits wurden räumliche Bezüge hergestellt, die Konstantinopel und die Städte der Provinzen auf spirituelle Weise verbanden.

Auf Grundlage der Ausgabe Hippolyte Delehayes, die auf dem sog. Synaxar von Sirmond basiert, entsteht eine Datenbank, die die einzelnen Notizen mit den Namen der etwa 2000 im Synaxar genannten Personen mit mehr als 600 identifizierbaren Orten verknüpft.