Kůlna Höhle – Zur Bedeutung von Höhlen für die neandertalerzeitliche Landschaftsnutzung

Die Erforschung der reichen Fauna der Kůlna-Höhle gibt Einblick in die Subsistenzstrategien und die Bedeutung von Höhlen für Neandertaler. Die Höhle liegt im nördlichen Mährischen Karst, etwa 30 km von Brno/CZ entfernt und ist eine der größten paläolithischen Höhlenfundstellen Osteuropas. Mehrere Besiedlungsphasen, vom Mittelpaläolithikum bis zum Spätglazial zeigen, dass sie über 150.000 Jahre ein attraktiver Siedlungsplatz war.

Elaine Turner erforscht die Großtierreste aus Schicht 11, Sektor D. Ihre archäozoologischen Analysen zeigen, wie der Neandertaler die Höhle nutzte, wie und was er jagte, und in welcher Weise er die Jagdbeute verarbeitete. Über 31.000 Knochen aus 16 Grabungseinheiten der Schicht 11 sind in ein mehrstufiges Analysesystem eingegangen. Pferde dominieren vor Wildrindern, Rothirschen und Riesenhirschen. Typische Vertreter warmzeitlicher Faunen wie Damhirsch oder Wildschwein fehlen. Die Zusammensetzung der Fauna deutet auf eine relativ offene Umwelt hin.

Die hervorragende Erhaltung der Knochen erlaubt detaillierte Oberflächenuntersuchungen. Ungewöhnlich viele Knochen zeigen Schlag- und vor allem Schnittspuren, die von der Verwertung der Jagdbeute zeugen. Pferde stand auf der Speisekarte der Neandertaler ganz oben, diese Knochen sind besonders zahlreich und tragen mit über 60% deutlich häufiger Schnittspuren als die anderer Tierarten. Einige wurden als Werkzeuge benutzt, wie man an spezifischen »Narbenfeldern« erkennt. Spuren von Tierfraß sind selten: Neandertaler haben die Höhle offenbar konkurrenzlos alleine genutzt, möglicherweise über einen längeren Zeitraum.


Kooperationspartner

Publikationen

  • E. Turner / P. Neruda / K. Valoch 2012, Change and adaptation? Insights into Neanderthal subsistence in interglacials from a new archaeozoological analysis of faunal remains from level 11 at Kůlna Cave (Czech Republic). Proceedings of the European Society for the study of Human Evolution 1, 2012, 163.