Hadrianopolis / Paphlagonien, Überblick über das Stadtgebiet (Foto: RGZM / I. Eichner).

Hadrianopolis / Paphlagonien, Georadar des sakralen Zentrums der Stadt mit zwei aneinander gebauten Kirchen (links), einem kreuzförmigen Bau rechts (oben) und der Apsis einer dritten Kirche, rechts (unten). (Georadar: Archeo Prospections ZAMG / Dr. Sirri Seren).

Hadrianopolis / Paphlagonien, Vermessung im Stadtgebiet 2013 (RGZM / I. Eichner).

 

Kult und Pilgerstätten der kleinasiatischen und syrischen Säulenheiligen in byzantinischer Zeit – das Beispiel des Alypios von Hadrianopolis

Zu den Phänomenen des spätantiken und byzantinischen Pilgerwesens gehört der Kult um die Säulenheiligen, der sog. Stylitenkult, dessen christlicher Begründer Symeon Stylites d. Ä. in Nordsyrien war. Während die syrischen Säulenheiligen im Umkreis von Symeon d.Ä. schon untersucht worden sind, ist über ihre Nachbarn, die Styliten Kleinasiens, nur wenig bekannt. Ihre Anzahl war, wie aus verschiedenen Quellen hervorgeht, sehr groß. Unter ihnen sticht besonders Alypios hervor, der in seiner Heimatstadt Hadrianopolis eine Säule bestiegen hatte und sich damit in die Tradition der großen syrischen Styliten stellte. Wie aus der schriftlichen Überlieferung bekannt ist, entstanden am Fuß seiner Säule zwei klösterliche Gemeinschaften – ein Frauen- und ein Männerkloster - die aus Anhängern des Asketen bestanden.

Alypios starb 640 in Hadrianopolis in Paphlagonien (Abb. 1) und seine Gebeine wurden dort in einer Kirche, die der hl. Euphemia geweiht war, beigesetzt. Sein Kult war nicht auf Hadrianopolis begrenzt, in Konstantinopel wurde ihm ein Kloster geweiht und seine Kopfreliquie wird noch heute im Kloster Koutloumousiou auf dem Berg Athos aufbewahrt.

Mithilfe geophysikalischer Prospektionsmethoden (Georadar und Geomagnetik), die im September 2013 von Dr. Sirri Seren und seinem Team durchgeführt wurden, konnte das sakrale Zentrum von Hadrianopolis lokalisiert werden, das möglicherweise auch mit dem Pilgerkult um den heiligen Alypios in Zusammenhang steht (Abb. 2). Hier befinden sich mindestens drei Kirchenbauten in enger Nachbarschaft zueinander sowie ein alleinstehender kreuzförmiger Bau. 

Eine der Kirchen zeigt im Georadar-Bild den Grundriss einer Kreuzkuppelkirche, ein Typus, der sich in mittelbyzantinischer Zeit entwickelt hat. An deren Nordseite ist eine zweite Kirche angebaut, so dass hier offenbar ein Ensemble entstanden ist, das an Klosterkirchen mit angeschlossenem Pilgerheiligtum erinnert, wie es z.B. auch in Griechenland belegt ist (z. B. Hosios Lukas / Böotien).

Neben der geophysikalischen Prospektion wurde 2013 auch mit einem Topographischen Plan der Stadt begonnen, der 2015 abgeschlossen werden soll (Abb. 3). Verzeichnet sind dort alle obertägig sichtbaren antiken Monumente.

Ziel des Projekts

Ziel des Projektes ist es, den Kult und die Kultentwicklung um den heiligen Alypios im Kontext der Siedlungsentwicklung klären. Wie verändert sich die Siedlung durch die im 6./7. Jh. n. Chr. wachsende Bedeutung des Ortes als Pilgerort des hl. Alypios? Lassen sich archäologische Befunde mit den überlieferten Textquellen in Zusammenhang bringen? 

Weitere geplante Untersuchungen sollen die Funktion der Sakralbauten im Zusammenhang mit der überlieferten Existenz des Alypiosheiligtums in Hadrianopolis klären.  

Auch soll geklärt werden, ob und wieweit im archäologischen Befund das große Vorbild aller Säulenheiligen, Symeon Stylites d.Ä., rezipiert wird.