Hemiobol von Elaia, 4. Jh. v. Chr. (Av.)

Hemiobol von Elaia, 4. Jh. v. Chr. (Rv.)

Diobol von Pergamon, spätes 4. Jh. v. Chr. (Av.)

Diobol von Pergamon, spätes 4. Jh. v. Chr. (Rv.)

Bronzemünze von Elaia, 3. Jh. v. Chr. (Av.)

Bronzemünze von Elaia, 3. Jh. v. Chr. (Rv.)

 

Münzprägung und Münzumlauf in der kleinasiatischen Hafenstadt Elaia

Die Geschichte der antiken Stadt Elaia beginnt im 5. Jh. v. Chr. mit ihrer ersten schriftlichen Erwähnung in den Tributlisten des attisch-delischen Seebundes. Doch erst im 3. Jh. v. Chr. gewann die an der gleichnamigen Bucht gelegene Polis an Bedeutung, als die Attaliden (282-133 v. Chr.) ihr Königreich erweiterten und Elaia zum Haupthafen der über das Kaikos-Tal angebundenen Residenzstadt Pergamon wurde.

Von 2006 bis 2011 erforschte ein Projektteam unter der Leitung von Prof. Dr. Felix Pirson (DAI Istanbul) das Verhältnis zwischen alter Poleis und neuen Territorialmächten am Beispiel der aiolischen Polis Elaia und Pergamon (DFG-Forschungsprogramm »Die hellenistische Polis als Lebensform«). Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand der Einfluss vom Herrschaftszentrum Pergamon auf das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Nachbarstadt Elaia. Dabei lieferten die aus Oberflächenuntersuchungen, Luftbildphotogrammetrie, Geodäsie und Geophysik gewonnenen Daten grundlegende Informationen für die Beurteilung der Beziehung zwischen beiden Poleis bis in die spätrömische Zeit (http://www.poliskultur.de/48_Elaia.html).

Über die architektonischen Aspekte hinaus, wie den Ausbau von Elaia bzw. die Befestigungsanlagen zunutze der Attaliden, bietet die Münzprägung einen einzigartigen Raum, um die Verhältnisse von Elaia, Pergamon, den Attaliden bzw. den Römern zu untersuchen. In der modernen Forschung mehrfach betont, prägten kleinasiatische Städte Münzen nicht ausschließlich zur Deckung des Kleingeldbedarfs im lokalen Handel. Neben ihrem Nutzen für die städtische Münzwirtschaft, spiegelten Münzlegenden und -bildnisse auch die Identität der Stadt bzw. einiger städtischen Eliten wider.

Die wirtschaftlichen und unter den Attaliden militärischen Zentralfunktionen der Hafenstadt übten sicherlich eine stimulierende Wirkung auf den Menschenverkehr und Münzumlauf zwischen Elaia und der Metropole aus. Jedoch schloss seit hellenistischer Zeit die Vielfalt der Prägestätten mit unterschiedlichen Münzfüßen die freie Zirkulation von Silber- und Bronzegeld von vorneherein aus. Elaia und Pergamon brachten beide ihre eigenen städtischen Silber- und Bronzemünzen aus, die eigentlich nur in den jeweiligen Städten als Zahlungsmittel fungieren konnten. In Pergamon ließen die Attaliden auch Silber bzw. Bronze im Namen des Dynastiegründers Philetairos prägen. Doch im Gegensatz zu den Stadtprägungen war das königliche Geld im gesamten Reich der Attaliden d.h. auch in Elaia anerkannt.

Ausgangspunkt der laufenden Untersuchung ist die Erstellung eines Münzcorpus von Elaia durch Sammlungsforschung und Fundnumismatik. Von der Münzsammlung des RGZM und weiterer Münzkabinette ausgehend sowie zusätzlich ergänzt durch die Fundmünzen aus der DAI-Grabung in Pergamon und Elaia, konnten bisher mehrere Hunderte von Münzen aufgenommen werden. Auch wird sich die Arbeit auf archäometrische Analysen von Münzen aus den Beständen des RGZM stützen, um den Aufbau der Münzemissionen zu rekonstruieren. Anhand einer Stempelstudie bestimmter Münztypen soll das Prägevolumen der Stadt im Laufe der Zeit abgeschätzt werden. All diese Elemente tragen nicht nur zu einer präziseren Chronologie (u.a. der hellenistischen bzw. pseudo-autonomen Bronzen der Kaiserzeit) bei, sondern eröffnen auch die Möglichkeit einer vergleichenden Betrachtung der Prägeaktivität von Elaia und Pergamon.

Der dadurch gestattete Einblick in die politische bzw. wirtschaftliche Entwicklung von Elaia in Bezug auf Pergamon leitet uns zu der zentralen Frage über den freien Spielraum im Münzwesen der Hafenstadt. Musste Elaia als »maritimer Satellit von Pergamon« (F. Pirson) Nominale und Prägerhythmen an diejenige von Pergamon und den Attaliden anpassen bzw. ergänzen? Die Prägetätigkeit der Stadt Elaia in den Schatten von der Metropole bzw. den Attaliden zu stellen wäre nicht abwegig, zumal Elaia ihre Bedeutung als Polis allein ihren engen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen zu Pergamon zu verdanken hatte. Jedoch bezeugt auch die Münzprägung von Elaia die Existenz einer unabhängig von Pergamon bzw. den Attaliden funktionierenden Verwaltung in der Hafenstadt.