Vergoldete Kupferfigur eines thronenden Königs (Ausschnitt); Foto: RGZM / R. Müller.

 

Neues aus der Stauferzeit: "Diligite iustitiam qui iudicatis terram" – Zur Restaurierung und kulturhistorischen Einordnung einer bislang unbekannten romanischen Herrscherfigur

(abgeschlossen)

Im Winter 2007 / 2008 wurde in den Werkstätten des Römisch- Germanischen Zentralmuseums Mainz die Figur eines thronenden Königs freigelegt und konserviert. Es handelte sich um einen unrestaurierten Altfund mit unbekanntem Fundort.

Die Figur ist ein Fragment, wie der Befestigungszapfen auf ihrer Unterseite belegt und besteht aus feuervergoldetem Kupferguss. Entsprechend könnte das Objekt, zu dem sie einst gehörte, zusätzlich emailliert oder mit Emails beschlagen gewesen sein, denn Kupfer war das beliebteste Trägermaterial für Email in der europäischen Schatzkunst. Um was für ein Objekt es sich dabei gehandelt haben könnte, ist unbekannt. Da alle Seiten der Figur detailliert ausgestaltet sind, dürfte sie dort aber wohl nicht in einer Nische positioniert gewesen sein.

Schnell wurde klar, dass das sehr qualitätvoll gearbeitete Stück Bezüge zur Herrschaftsrepräsentation der Römisch- Deutschen Monarchen aus dem Hause Hohenstaufen zeigt; der Kanon der Zeichen und Posen entspricht weitgehend dem des Herrschers auf dem Hofgerichtssiegel Kaiser Friedrichs II. Dessen Siegelbild zeigt den thronenden Kaiser mit dem schräg erhobenen weltlichen Schwert (gladius materialis) und der Umschrift „Diligite iustitiam qui iudicatis terram“ („Liebt die Gerechtigkeit, ihr, die ihr auf Erden richtet“). Entsprechend nimmt das Projekt nicht nur die Restaurierung, Konservierung, Herstellungstechnik und den kunsthistorischen Kontext der Figur in den Fokus, sondern es wird auch geprüft, inwieweit die Figur in ähnlicher Art wie das Siegelbild einen Akt symbolischer Kommunikation inklusive der damit verbundenen propagandistischen Komponente verkörpert. Darüber hinaus wird die dem modernen Auge fremde Formensprache auf ihre Rationalität hin analysiert, um das Denken und die Absichten des Goldschmiedes kennenzulernen, der die Figur geschaffen hat. Teil des Projekts ist auch die Ermittlung der Herkunftsregion und die Klärung der Frage, wen die Figur darstellen könnte.