Caričin-Grad Akropolis. Die Ausgrabungen 2013 werden etwa in dem rot markierten Bereich stattfinden (Foto A. E. Reuter).

Caričin-Grad, Fläche der diesjährigen Ausgrabung sowie der Bereich dessen Ausgrabung im Jahr 2013 stattfinden soll (Foto A. E. Reuter).

 

Pflanzen in Byzanz. Eine archäobotanische Untersuchung

Das Byzantinische Reich zeichnet sich vor allem durch seine weite Ausdehnung aus, in zeitlicher, räumlicher und kultureller Sicht. Aus der weiten geographischen Ausdehnung resultieren vor allem geologische und klimatische Unterschiede, welche sich in der natürlichen Vegetation und den anthropogenen Eingriffen in die Naturlandschaft widerspiegeln und sich archäobotanisch greifen lassen. Neben den verschiedenen Anbaumöglichkeiten von Pflanzen, hat die kulturelle Identifikation des Menschen ebenfalls Einfluss auf seine Ernährungsweise. Pflanzen dienen nicht nur als reines Nahrungsmittel, sondern auch dem Genuss und der Herausbildung von „Esskultur“, die ihrerseits Einfluss auf das Spektrum der kultivierten Arten nehmen. Auch das Einhandeln vieler exotischer Pflanzen, etwa in Form von Gewürzen, ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Auf diese Weise entstehen in den unterschiedlichsten Regionen charakteristische Muster.

Ziel ist eine Zusammenstellung der archäobotanisch untersuchten Fundplätze im Byzantinischen Reich, um regionalen Charakteristika, während der unterschiedlichen Zeitstufen herauszuarbeiten und einen überregionalen, chronologischen Vergleich anzustellen. Die zeitliche Eingrenzung der Untersuchung fällt dabei in den Zeitraum vom 4.-15. Jh. und in den während dieses Zeitraumes dem Byzantinischen Reich angehörenden Regionen. Der Schwerpunkt der Untersuchung betrifft jedoch vor allem die frühbyzantinische Periode (395-642 n. Chr.).

Von besonderem Interesse ist, inwiefern sich die Ernährungsweise der Bevölkerung ruraler Siedlungen von der städtischen Bevölkerung in urbanen Zentren unterschied. Zudem gilt es zu hinterfragen, inwiefern Landwirtschaft und Ernährung von traditionellen Einflüssen aus dem Römischen Reich bzw. der jeweils vorhergehenden autochthonen Kultur beeinflusst waren und ob sich Innovationen in dem über 1000 Jahre andauernden Zeitraum herausbilden konnten. In diese Zusammenstellung mit eingebunden wird die archäobotanische Neuuntersuchung der frühbyzantinischen Stadt Caričin Grad „Justiniana Prima“ (ca. 530-615 n. Chr.) in Zentralserbien. Die systematische Probenentnahme und –bearbeitung wird ab dem Sommer 2013 stattfinden. Besonders hervorzuheben sind neben der kurzen Besiedlingsdauer, die exzellente Erhaltung der Befunde und ehemaligen Laufhorizonte. Neben der Aufarbeitung von botanischen Sammelfunden aus den vorangegangenen Grabungen wird die systematische Beprobung eines Wohngebäudes im Bereich der Akropolis erfolgen.

Derzeit sind etwa 80 archäobotanisch untersuchte Fundplätze erfasst. Dabei zeichnet sich bereits ein forschungsbedingtes Ungleichgewicht ab, da einigen Regionen, aus archäobotanischer Sicht leider bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Eine quellenkritische Auswertung der Daten ist vor diesem Hintergrund unabdingbar. Neben den naturwissenschaftlichen und archäologischen Daten werden auch historische Quellen wie Schriftzeugnisse und Abbildungen Teil der Untersuchung sein. Jedoch ist bei der Berücksichtigung dieser Quellen ein kritischer Umgang notwendig, da oftmals nicht von dem alltäglichen Leben berichtet wurde bzw. die Zuordnung bestimmter Erwähnungen und Abbildungen von Pflanzen wenig exakt erfolgen kann.

Förderung

RGZM

Betreuung der Dissertation: Prof. Dr. Wiebke Kirleis, Christian Albrechts-Universität zu Kiel


Publikationen

  • A. E. Reuter, Anbau, Verarbeitung, Verwendung - Getreide in byzantinischer Zeit im Spiegel der archäobotanischen Quellen. In: J. Drauschke/ E. Kislinger/ K. Kühtreiber/ T. Kühtreiber/ G. Scharrer-Liška/ T. Vida (Hrsg.), Lebenswelten zwischen Archäologie und Geschichte. Festschrift für Falko Daim zu seinem 65. Geburtstag. Teil 2. (Mainz 2018) 795-806.