Hostienteller (Diskov), Rand mit umlaufender Inschrift, Fond mit lateinischem Kreuz. 10. Jh. Gold, getrieben und graviert, Preslav, Dm 21 cm, 325 g, Archäologisches Nationalmuseum Sofia. (Foto: Kunstschätze in Bulgarischen Museen und Klöstern, 24. April bis 31. Juli 1964 in Villa Hügel, Essen (Essen 1964), Abb. 199)

 

Prex eucharistica und eucharistische Praxis in Inschriften von Kelchen und Patenen im byzantinischem Raum

Zu den dogmatischen Streitpunkten zwischen der Kirche des Ostens und der des Westens zählte der Streit um die eucharistische Epiklese. Während die Liturgie der lateinischen Kirche sich von einer mystischen Interpretation der Konsekration als organisches Aktgefüge von Herrenwort und Epiklese (Isidor von Sevilla) unter dem Einfluss von Augustin und Ambrosius in christologischer Engführung über die Hervorhebung der Einsetzungsworte (Paschasius Radbertus) bis zur Interpretation der Herrenworte als forma bzw. modus consecrandi bei Ivo von Chatres und Anselm von Laon entwickelte und die übrige prex eucharistica als bloßes Beiwerk verstanden hat, betonte die orthodoxe Kirche, die grundsätzlich bei dem ursprünglichen holistischen Konsekrationsverständnis blieb, unter einem vorwiegend pneumatologischen Aspekt zunehmend das eucharistische epikletische Gebet als allein entscheidend für die Wandlung der Gaben, hinter dem insbesondere in der antilateinischen Polemik die Bedeutung der Einsetzungsworte zurückgehen.

Zu diesen theologischen Traditionen scheint die künstlerische Praxis im Bereich der Orthodoxie im Widerspruch zu stehen, die - offensichtlich erst seit dem 10. Jh. - auf den eucharistischen Gefäßen die Einsetzungsworte inschriftlich hervorhebt, während dies im lateinischen Bereich, der doch die Einsetzungsworte so hoch schätzt, nicht vorkommt. Diese Praxis entsteht mithin in einer Situation, in der zur Zeit des ersten Eucharistiestreites im Westen und nach der endgültigen Überwindung des Ikonoklasmus gleichzeitig (und in – gegenseitiger (?) – Kenntnisnahme) ein »eucharistischer Realismus« (Historia ecclesiastica) hervortritt.

Ziel des Projektes ist es, diesen (scheinbaren?) Widerspruch zu erklären.

Das Projekt ist am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz  angegliedert.