Goldblech mit Darstellung der mit Sonnescheibe und Doppelfedern verzierten Königskartuschen des Tutanchamun. Beidseitig davon in antithetischer Komposition jeweils eine Binse und eine Biene (Foto: RGZM / Chr. Eckmann).

Darstellung des Königs, der bogenschießend auf einem Streitwagen steht und auf eine Zielscheibe in Form eines Kupferbarrens zielt. Der Barren, in dem bereits sechs Pfeile stecken, ist an einem dekorierten Stab befestigt, an dem jeweils ein Nubier und ein Asiate gefesselt sind (Foto: RGZM / Chr. Eckmann).

Tierkampfszene mit einem Capriden in Sprunghaltung, der von einem Hund und einem Greifen angegriffen wird. Die Darstellung zeigt Einflüsse levantinischer Kunst (Foto: RGZM / Chr. Eckmann).

Rückseite einer der fragmentarisch erhaltenen Goldblechapplikation: Zur Verstärkung der wenige Mikrometer dünnen Goldfolie dienen Lagen aus Leder, Textil und Gips (Foto: RGZM / Chr. Eckmann).

 

Restauratorische und naturwissenschaftliche Methoden

Da nur wenige dieser Fundstücke die Zeit unbeschädigt überdauert haben – die überwiegende Anzahl weißt zahlreiche Risse, Verwerfungen und Falten auf – ist eine umfassende restauratorische Bearbeitung unabdingbare Voraussetzung für die weitere Bearbeitung der Objekte. Ziel ist es, neben der Konsolidierung der fragilen Objekte, auch die Lesbarkeit der Darstellungen in den geschädigten Bereichen zurückzugewinnen. Daher ist es notwendig, die Goldbleche zunächst vorsichtig zu entfalten, Risse wieder zusammenzufügen und rückseitig an den Bruchstellen mit feinem Gewebe zu hinterlegen bzw. zu stabilisieren.

Ein zentraler Gegenstand des Forschungsvorhabens ist die technologisch –naturwissenschaftliche Untersuchung seitens der Experten des RGZM. Ursprünglich besaßen wohl alle Goldbleche ein aus Leder und textilen Bestandteilen – oft auch in Kombination mit Gips(?) – mehrschichtig aufgebautes Trägermaterial, auf dem diese befestigt waren. Dies wurde bereits von Littauer und Crowell (Littauer / Crouwell 1985, 34) erkannt, jedoch bleibt die Art und Weise des Aufbaus, die Funktion der einzelnen Schichten sowie deren Verbindung untereinander offen. Grundsätzlich ist also der strukturelle Aufbau der Objekte zu klären sowie die Fixierung der Goldfolien auf ihrem Träger. Hierzu ist eine umfassende technologische Analyse der Goldbleche sowie der organischen (Leder, Textil, Harze, Kitte?) und anorganischen Bestandteile (Gips?) der Objekte vorgesehen. Die Untersuchungen beinhalten auch eine Bestimmung des Leders sowie die textiltechnologische Begutachtung der Gewebereste. Hier wird eine makro- bzw. mikroskopische Autopsie Aufschluss geben. Besonders aussagekräftig in diesem Zusammenhang ist ferner die geplante radiologische Untersuchung mittels Computertomographie (CT), die zerstörungsfrei den Schichtenaufbau bis in feinste Detail – auch an physisch nicht zugänglichen Stellen der Objekte – wiedergibt.

Der Frage, auf welche Art Inschriften, ornamentale Verzierungen und figürlichen Darstellungen auf den Goldblechen erzeugt wurden, soll mittels eines hochauflösenden Digitalmikroskops nachgegangen werden: sofern es sich tatsächlich um (Gold)Bleche – also ein sich selbst tragendes Material – handelt, wäre eine Treibarbeit von der Rückseite und eine anschließend Ziselierung der Vorderseite nahe liegend. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass bei der überwiegenden Anzahl der Objekte eine sehr dünne Goldfolie (2 bis 5 Mikrometer) auf das Trägermaterial Leder/Textil aufgebracht wurde. Man könnte daher auch vermuten, dass die eigentliche Verzierung zunächst auf dem Leder erzeugt wurde. Beide Herstellungstechniken unterscheiden sich grundsätzlich und hinterlassen charakteristische Bearbeitungs- bzw. Werkzeugspuren auf der bearbeiteten Goldoberfläche. Es ist vorgesehen, die bei der Herstellung erzeugten Bearbeitungsspuren dreidimensional zu vermessen, sie mit hoher Tiefenschärfe zu dokumentieren, miteinander zu vergleichen bzw. diese voneinander zu unterscheiden.

Ein weiterer Schwerpunkt der naturwissenschaftlichen Untersuchungen wird die Analyse der Goldlegierung mittels einer portablen Mikro-Röntgenfluoreszenzanalyse (p-XRF) sein. Hierzu soll ein entsprechendes Gerät des RGZM vorübergehend nach Kairo transportiert werden, um die Untersuchungen vor Ort ausführen zu können. Von den Untersuchungsergebnissen verspricht man sich eine erleichterte Zuordnung der Objekte, da bereits in der Antike gezielt unterschiedliche Goldlegierungen mit deren spezifischen Materialeigenschaften genutzt wurden. Die Untersuchung der metallischen Spurenelemente (z.B. Zinn und Platin) könnte darüber hinaus, durch Abgleich mit Referenzdaten, einer Herkunftsbestimmung des Goldes dienlich sein. Ferner ist beabsichtigt, mittels metallurgischer Gefüge-Analysen Erkenntnisse über die Produktionsweise der Goldfolien zu gewinnen.

Alle Untersuchungen werden auch dazu dienen, innerhalb des Konvolutes an Fundstücken Gruppierungen zu bilden und die Frage der ursprünglichen Funktion der Objekte klären helfen. Überdies sollen die gewonnen Erkenntnisse Aufschluss geben, ob die Bleche ein und derselben Werkstatt zuzuordnen sind (etwa einer pharaonischen Hofwerkstatt), oder ob es sich um Werke unterschiedlicher Produktionen handelt.