Karanovo. Römische Grabhügel, rechts der in Ausgrabung befindliche Osthügel. Fotografiert 2010 vom vorgeschichtlichen Tell aus. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Die Grabkammer des thrakischen Aristokraten im Schutzbau des Osthügels. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Blick in die Grabkammer des thrakischen Aristokraten im Osthügel (Rekonstruktion). (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Schutzbau des Osthügels. Im Vordergrund Ritualplatz mit Altar, im Hintergrund die Grabkammer. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Kasserolle aus dem Aristokratengrab während der Restaurierung im RGZM. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Geophysikalische Prospektionen im Bereich des Osthügels durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Wien 2012. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Römische Grabhügel in der Nachbarschaft des Osthügels. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Blick über das Siedlungsareal der römischen und byzantinischen Epoche. (Foto: RGZM / M. Scholz)

Karanovo. Georadar im Bereich der römischen und byzantinischen Siedlung 2012. (Foto: RGZM / M. Scholz)

 

Untersuchungen an einem thrakischen Grabhügel aus der frühen römischen Kaiserzeit in Karanovo (Bulgarien)

Ein Restaurierungs- und Forschungsprojekt des Historischen Museums Nova Zagora und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz

Die römische Provinz Thracia zeichnet sich durch reiche Bestattungen in Grabhügeln aus, doch erst 2008-09 gelang erstmals die Ausgrabung eines ungestörten „Fürstengrabes“ mit modernen Methoden. Den Brauch, sich in monumentalen Grabhügeln bestatten zu lassen, pflegten einige hellenistische Herrscher im 4.-3 Jahrhundert v. Chr. Als Thrakien im Jahre 46 n. Chr. römische Provinz wurde, war dieser Brauch bereits seit über 300 Jahren erloschen. Die thrakische Elite musste sich gegenüber den neuen Machthabern positionieren. Sie entwickelte das Bedürfnis, ihren regionalen Führungsanspruch dauerhaft sichtbar zu manifestieren. In der Folge kam es zu einer Renaissance der Grabhügel (Erinnerungskultur). Der Aristokrat von Karanovo stand am Beginn dieser Entwicklung und gehörte zu ihren „Trendsettern“. Er knüpfte damit um 30-50 n. Chr. einerseits traditionsbewusst an die Riten der thrakischen Könige an, was sich auch anhand des facettenreichen Bestattungsritus nachvollziehen lässt. Andererseits stellte er mit damals hochmodernen Qualitätsprodukten seine internationale Vernetzung zur Schau. Das zeigt eine erste Analyse seiner über 100 Grabbeigaben.

Charakteristische Funde lassen nicht nur auf eine enge Bindung an die römische Weltmacht schließen, sondern auch auf Kontakte bis in den Schwarzmeerraum und in das Barbaricum. Es gibt Hinweise darauf, dass er ein namhafter Zeitzeuge der Eingliederung des thrakischen Königreiches in das Imperium Romanum war und damit Akteur in einer heiklen Zeit des Umbruchs. Sah er sich eventuell als Vermittler zwischen den Mächten und Kulturen?

Die oben genannten Partner haben ein gemeinsames Projekt zur Restaurierung und Auswertung dieses historisch bedeutsamen Ensembles in die Wege geleitet. Die außergewöhnlich gute Erhaltung nicht nur des Grabes selbst, sondern auch der gesamten Denkmaltopographie ermöglichen die Erforschung bisher ungeahnter Zusammenhänge.

Dabei stehen die rund 100 Objekte (Grabbeigaben) im Mittelpunkt, die auf weitreichende Beziehungen des Aristokraten sowohl in barbarische Nachbarregionen als auch ins Römische Reich schließen lassen (FF 4 Kulturkontakte). Hinzu kommen die Funde aus einer zum Grab gehörenden Wagendeponierung und dem Ritualplatz für die Totenfeierlichkeiten, die eine weitgehende Rekonstruktion der Bestattungszeremonien erlauben (Aspekte FF 3 Kulturelle und Soziale Praktiken).


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