Preiswerteste Frachtroute vom TS-Produktionszentrum Banassac nach Carnuntum.

Belieferung des gallisch-germanischen Wirtschaftsraumes mit Wein um 10 v. Chr. (A) und 20 n. Chr. (B).

Belieferung des gallisch-germanischen Wirtschaftsraumes mit Wein um 10 v. Chr. (A) und 20 n. Chr. (B).

Spezialisierung in der Töpferei des Aquitanus von La Graufesenque (50-70 n. Chr.).

 

Untersuchungen zum Absatzmarkt und zur Organisation der Töpfereien im südgallischen Sigillatazentrum La Graufesenque

Ein Thema, an dem sich römischer Einfluss besonders gut nachvollziehen lässt, ist die Sigillataproduktion in den westlichen Provinzen. Serienfabrikation und Namenstempelung der einzelnen Produkte gestatten hier Einblicke in die Organisation der einzelnen Betriebe und Aussagen zu deren sich wandelnden Absatzmärkten. Grundlage für diese Studien bilden einerseits die Sammlung von ca. 220.000 Namensstempeln auf Sigillatagefäßen (gedruckt erschienen unter dem Titel „Names on Terra Sigillata“), andererseits die mit Namenstempel verbundenen Dekorationen südgallischer Relieftöpfer.

Auf der Grundlage von ca. 220.000 Namensstempeln auf Terra Sigillata, die in einer vom RGZM aufgebauten Datenbank gespeichert sind, ließen sich sowohl Fragen nach Arbeitsteilung in den gallischen Großmanufakturen beantworten, also auch die Gründung gallischer TS-Zentren wirtschaftshistorisch einordnen. Am Beispiel des Wein- und Ölhandels zeigt sich, dass spätestens 20 n. Chr. den istrischen Produzenten der über die Rhone belieferte gallisch-germanische Markt verloren ging, weil spanische Ware die gallische Mittelmeerküste billiger beliefern konnte. Der Verlust dieser Handelsroute traf auch die TS-Betriebe in Arezzo, die daher um 20 n. Chr. ein neues TS-Zentrum in La Graufesenque gründeten und dort ansässige Töpfer mit neuen technischen Knowhow versorgten. Dort findet man noch bis um die Wende des 2. Jhs. auch die in Arezzo belegte Spezialisierung in den einzelnen Betrieben: Bestimmte Stempelvarianten einer TS-Großtöpferei lassen entweder mit Platten oder Tellern oder Näpfen verbinden.

Derzeit wird auf der Basis der in der TS-Datenbank gespeicherten 3.500 Fundorte untersucht, inwieweit bestimmte Verbreitungsmuster der TS mit den jeweiligen Transportkosten zusammenhängen. Erste Arbeiten deuten an, dass mancher „Umweg“ tatsächlich auf eine preiswertere Frachtroute zurückging. Noch zu fragen ist aber, ob für Fundplätze, die abseits dieser bis jetzt erfassten Hauptrouten liegen, dieser Vorteil bestehen blieb.

Um weitere Einblicke in die interne Organisation des südgallischen TS-Zentrums La Graufesenque zu erhalten, wird das Bildpunzenrepertoire der einzelnen Töpfereien erfasst. So lassen sich organisatorischen Verknüpfungen zwischen einzelnen Betrieben erkennen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wann und wo es zur Abkehr der in Arezzo nachweisbaren Organisation mit eigenständigen Großbetrieben hin zu dem in Rheinzabern gebräuchlichen Pachtsystem gekommen ist.

Da die überregionale Verbreitung von Terra Sigillata ohne ein funktionierendes Vertriebssystem nicht denkbar ist, gehörte die Auseinandersetzung mit dem antiken Transportwesen zu diesem Fragenkomplex. Ein ergänzendes Teilprojekt, mit dem der Forschungsbereich Antike Schiffahrt in den FS eingebunden werden konnte, galt daher der Organisation der Handelsschifffahrt im gallisch-germanischen Raum und welche Rolle der römische Staat dabei spielte. Lässt sich für die Gründung neuer TS-Zentren durch italische Betriebe kein staatlicher Einfluss nachweisen, so ist dies bei der gallisch-germanischen Handelsschifffahrt anders: Die Bildung von Schifferkollegien, getrennt nach den von ihnen befahrenen Revieren, wurde vom Staat gefördert, um durch sie die Versorgung Roms mit gallischem Getreide und Wein sicherzustellen.


Kooperationspartner

Publikationen

  • A. W. Mees, The internal organisation of Terra Sigillata (Samian) workshops. In: M. Fulford u. E. Durham (Hrsg.), Seeing Red. New economic and social perspectives on Terra Sigillata. Bull. Inst. Class. Stud. Suppl. 102 (2013) 66-96. 
  • A. W. Mees u. M. Polak, Scattered pots, exploring spatial und chronological aspects of Samian ware. In: M. Fulford u. E. Durham (Hrsg.), Seeing Red. New economic and social perspectives on Terra Sigillata. Bull. Inst. Class. Stud. Suppl. 102 (2013) 36 – 48.
  • G. B. Dannell u. A. W. Mees, New approaches to Samian distribution. In: M. Fulford u. E. Durham (Hrsg.), Seeing Red. New economic and social perspectives on Terra Sigillata. Bull. Inst. Class. Stud. Suppl. 102 (2013)165-187.
  • A. W. Mees, Die Verbreitung von Terra Sigillata aus den Manufakturen von Arezzo, Pisa, Lyon und La Graufesenque. Die Transformation der italischen Sigillata-Herstellung in Gallien. Monographien RGZM 93 (Mainz 2011).
  • A. W. Mees u.a., Gestempelte südgallische Reliefsigillata (Drag. 29) aus den Werkstätten von La Graufesenque. Katalog vor- und frühgeschichtlicher Altertümer 34 (Mainz 2003 ff.).

externe Links