Zur Performanz der aristokratischen Leichenfeier im Rom der Republik und der frühen Kaiserzeit

Im Laufe des 4. Jh. v. Chr. bildete sich in Folge der Ständekämpfe in Rom eine neue Oberschicht – die Nobilität. In ihr vereinte sich die alte patrizische Führungsschicht mit Aufsteigern aus der Gruppe der Plebeier. Diese neue Aristokratie bezog ihren Status allein aus der Leistung für die res publica Romana und so wurde ihr Leistungsethos und der daraus folgende inneraristokratische Wettbewerb zum zentralen Bezugspunkt der römischen Gesellschaft und zur Triebfeder für den Aufstieg Roms von einer mittelitalischen Lokalmacht zu einer den gesamten Mittelmeerraum beherrschenden Weltmacht. Die Werte der Nobilität prägten dabei den römischen Staat und die römische Gesellschaft in einem Ausmaß, dass selbst der spätere Alleinherrscher Augustus seine neue Herrschaftsform an ihnen orientieren musste.

Ein zentrales Ritual der Selbstdarstellung dieser Aristokratie war die Leichenfeier.  Sie bildete in ihrer vollentwickelten Form ein komplexes rituelles Gebilde, bestehend aus Aufbahrung, Leichenzug und -rede, eigentlichem Bestattungsakt sowie Leichenspielen. Auf Grund der starken Betonung der Leistung des jeweils Verstorbenen war dieses Ritual aber auch aufs Engste mit der Stadt Rom – dem Schauplatz dieser Feiern – verknüpft. Denn dort spiegelten Ehrendenkmäler, Tempel und Votive sowie weitere öffentliche Bauprojekte wie z. B. Aquädukte oder Basiliken die Taten der Nobilität in vielfältigster Weise wieder.

Um dieser Komplexität der Leichenfeier gerecht zu werden, untersucht das Projekt Aufbau und Gestaltung des Gesamtrituals sowie seiner oben genannten Teile. Damit verbunden ist es auch notwendig, der Entwicklung der Leichenfeier von der Wende des 4./3. Jh. v. bis ins 1. Jh. n. Chr. nachzugehen. Einen eigenen Schwerpunkt bildet die Betrachtung der Wechselwirkung zwischen Ritual und genutztem Raum, wobei Letzterer nicht als bloße Bühne, sondern als zentraler Bestandteil der Inszenierung einer Leichenfeier verstanden wird. Die Untersuchung kann sich bei all diesen Fragen sowohl auf Schriftquellen als auch auf materielle Hinterlassenschaften stützen, wobei im letzteren Fall der Stadt Rom mit ihren Monumenten eine zentrale Rolle zukommt.