• Blick in das Originalmagazin des Kompetenzbereichs Frühgeschichte und Byzanz (Foto: RGZM / V. Iserhardt).
    Blick in das Originalmagazin des Kompetenzbereichs Frühgeschichte und Byzanz (Foto: RGZM / V. Iserhardt).
  • Blick in das Kopienmagazin des Kompetenzbereichs Frühgeschichte und Byzanz (Fotot: RGZM / V. Iserhardt).
    Blick in das Kopienmagazin des Kompetenzbereichs Frühgeschichte und Byzanz (Fotot: RGZM / V. Iserhardt).
  • Blick in die Dauerausstellung Spätantike und Frühmittelalter (Foto: RGZM / V. Iserhardt, R. Müller).
    Blick in die Dauerausstellung Spätantike und Frühmittelalter (Foto: RGZM / V. Iserhardt, R. Müller).
  • Blick in die Dauerausstellung Römerzeit (Foto: RGZM / V. Iserhardt, R. Müller).
    Blick in die Dauerausstellung Römerzeit (Foto: RGZM / V. Iserhardt, R. Müller).

Forschungsinfrastruktur:

Arbeitsbereich »Sammlungen«

Die archäologische Sammlung des RGZM ist in ihrer Zusammenstellung einzigartig und zugleich ein direktes Abbild der Forschungen des Hauses. Schon bei der Gründung des RGZM im Jahre 1852 war es ein erklärtes Ziel, in Mainz eine zentrale Referenzsammlung der bedeutendsten und aussagekräftigsten archäologischen Fundobjekte zwischen dem Mittelmeerraum und Nordeuropa zu etablieren. Diese bildete die Grundlage für groß angelegte und Kultur übergreifende Studien, wie sie an anderen Orten zu diesem Zeitpunkt kaum möglich gewesen wären. Da die Originalobjekte natürlich bei den jeweiligen Besitzern verbleiben sollten, wurden in Mainz detailgetreue Kopien angefertigt. Mit Einsatz verschiedener, neuerdings auch digitaler Methoden erfolgt die Produktion von Kopien auch heute noch auf allerhöchstem Niveau. Erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert gelangten zunehmend auch Originalobjekte durch Schenkungen, Kauf oder Tausch in die Sammlung des RGZM.

»Backup« des kulturellen Erbes

Die Sammlung umfasst heute etwa 200.000 Einzelobjekte, wobei sich Kopien und Originale die Waage halten. Gerade durch die Kopien ist es möglich, bedeutende archäologische Objekte, bei denen der Zugriff auf das Original aus unterschiedlichen Gründen (z. B. Erhaltungszustand, Ausstellungsinstallation im besitzenden Museum, lokale oder nationale Befindlichkeiten etc.) mitunter sehr restriktiv gehandhabt wird, für Forschungs- und Ausstellungszwecke zur Verfügung zu stellen. Solche Kopien werden häufig im Rahmen von internationalen Kooperationsprojekten angefertigt. Ihre Bereitstellung, ergänzt durch die erwähnten Originalstücke der eigenen Sammlung, versetzt das RGZM heute in die einzigartige Lage, an einem Ort kulturelle Zusammenhänge erfahrbar zu machen, für die ansonsten der Besuch zahlloser Museen notwendig wäre.
Gleichzeitig dienen die Kopien der nachhaltigen Sicherung unseres weltweiten kulturellen Erbes. Wie wichtig hier ein »Backup« auf Basis von Kopien sein kann, wurde der Weltöffentlichkeit gerade in jüngster Zeit durch die ideologisch motivierte Zerstörung bedeutender archäologischer Fundstücke und Grabungsstätten in den Krisenregionen des Nahen Ostens schmerzlich vor Augen geführt. Doch selbst ohne solch blinde Zerstörungswut hinterlassen Kriege immer große Lücken im kulturellen Bestand. So sind z. B. bedingt durch seine langjährige Abformtätigkeit im RGZM noch Objekte physisch erfahrbar, deren Originale in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts zerstört oder schwer beschädigt wurden. Daneben dokumentieren aber auch viele der analogen Kopien einfach ältere, oft unverfälschtere Erhaltungszustände archäologischer Fundstücke. Dies ist insbesondere in Fällen wichtig, in denen unzureichende Konservierungsmethoden oder fragwürdige Eingriffe und Ergänzungen bei diversen Restaurierungsmaßnahmen und Ausstellungspräsentationen zu einer nachhaltigen Veränderung des Originals geführt haben.

→ Untersuchungen zu diesem Thema siehe in Forschungsfeld 6
»Relikte der Vergangenheit im Heute«.

Sammlungspflege

Die Sammlungspflege liegt in den Händen der KuratorInnen und RestauratorInnen. Entlang einer festgelegten Strategie unter Berücksichtigung der »ICOM-Standards für Museen« und des »SPECTRUM - UK Museum Dokumentation Standard« obliegt ihnen:

  • Die Bewahrung und Erweiterung des Sammlungsbestandes

Die Bewahrung beinhaltet sowohl die objekt- und materialgemäße Lagerung des Sammlungsguts als auch eine beständiges Monitoring der Objekte, das gegebenenfalls mit der Einleitung weiterführender restauratorischer Maßnahmen durch die RGZM-eigenen Werkstätten verknüpft ist. Als indirekte Bestandwahrung ist auch das neuerliche Schließen von Lücken anzusehen, die die Kriegseinwirkungen des 20. Jahrhunderts insbesondere in der Kopiensammlung hinterlassen haben. Hier zielt das Konzept des Hauses auf eine Neuabformung der Originale ab, sofern diese noch erhalten sind und von der jeweils verantwortlichen Institution zur Verfügung gestellt werden.
Generell wird die Erweiterung der archäologischen Sammlung des RGZM auch in Zukunft maßgeblich durch die Anfertigung von Kopien erfolgen. Angesichts der weltweit dramatischen Situation in Bezug auf die Zerstörung menschheitsgeschichtlich bedeutender Bodenarchive durch rücksichtslose, illegale Raubgrabungen und deren Beflügelung durch einen kommerziellen Handel mit Antiken hat sich das RGZM in einer Selbstverpflichtung strenge Richtlinien für andere Formen der Sammlungserweiterung und den Umgang mit Objekten zweifelhafter Provenienz auferlegt:

Verpflichtungserklärung als Download (pdf)

Demgegenüber wird parallel zur archäologischen Kopiensammlung in Zukunft auch der für den Forschungsbetrieb unerlässliche Proben- und Datenbestand der erst in jüngerer Zeit angelegten naturwissenschaftlich-technischen Referenzsammlungen des RGZM verstärkt ausgebaut werden. Solche Referenzbestände werden direkt aus den Kompetenzbereichen des Hauses gespeist, z. B. …

… zu rotem Granat:
Kompetenzbereich »Naturwissenschaftliche Archäologie«.

… zur Archäozoologie:
Kompetenzbereich »Pleistozäne und frühholozäne Archäologie«.

… zur Nassholzkonservierung:
Kompetenzbereich »Restaurierung und Konservierung«.

  • Die Erschließung der Sammlungen

Als Teil der öffentlichen Forschungsinfrastruktur des RGZM stehen die Sammlungen des Hauses generell sowohl internen Forschern als auch – nach vorheriger Anfrage – externen Wissenschaftlern für Studien zur Verfügung.
Zumeist analog – d. h. in Printmedien – wurden bereits zahlreiche Objektegruppen, insbesondere aus dem Bestand an Originalen publiziert (siehe u. a. die Literaturliste weiter unten) oder sind Bestandteile noch laufender Forschungsprojekte, wie z. B. die Bronzen aus Urartu, die Iberischen Funde oder die Sassanidische Kollektion.
In digitaler Form kann der gesamte archäologische Sammlungsbestand des RGZM bereits jetzt anhand einer Online-Version der analogen Inventarbücher eingesehen werden.

Online-Zugang zum Inventarbuch des RGZM

Ergänzend dazu erfolgt schrittweise die Erfassung und Neudokumentation der einzelnen Artefakte in der zentralen Bild-&Forschungsdatenbank des RGZM. Ein öffentliches Online-Portal mit Zugriff auf die bereits in dieser Form erschlossenen Bestände (inklusive aller Metadaten) befindet sich in Vorbereitung.
Im Rahmen der neuen »Open Access«-Strategie des Hauses werden sukzessive auch weitere, der derzeit noch analogen Sammlungspublikationen des RGZM der Allgemeinheit online zur Verfügung stehen.

  • Die Provenienzforschung zu Sammlungsexponaten

Im Zuge der digitalen Neuerfassung der archäologischen Sammlung führen die KuratorInnen in enger Verzahnung mit dem Forschungsfeld 6 »Relikte der Vergangenheit im Heute« verstärkt auch Untersuchungen zur individuellen Biographie der einzelnen Sammlungsobjekte durch. In Bezug auf den Bestand an archäologischen Originalstücken nimmt dabei die Frage nach der Provenienz der Artefakte, d. h. nach ihrem Fundort, den Fund- und Bergungsumständen sowie ihrer modernen Umlaufgeschichte vor der Inventarisierung im RGZM, einen besonderen Stellenwert ein. Ziel ist es, sich sowohl darüber Klarheit zu verschaffen, ob einzelne Bestandteile der Sammlung unrechtmäßig ins Museum verbracht worden sein könnten (z. B. durch Enteignung während der NS-Zeit und deren Folgen). Auch ist zu klären, inwieweit manche Objekte unklarer Herkunft eventuell aus illegalen Raubgrabungen stammen. Aufgrund besonderer zeitgeschichtlicher Gegebenheiten und bestehender Verjährungsfristen potentieller Rückgabeansprüche werden dabei zunächst vorrangig die Schenkungen und Erwerbungen zwischen 1932 und 1945 sowie in den letzten 30 Jahren untersucht. Neben der Offenlegung der Untersuchungsergebnisse über die Homepage des RGZM wird eine direkte Kontaktaufnahme zu erwiesenermaßen geschädigten Institutionen oder Personen angestrebt.

  • Der Leihverkehr

Sofern die Materialeigenschaften und der Zustand eines Artefakts einen für dessen Unversehrtheit gefahrlosen Transport gestatten, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, alle in den Sammlungen des RGZM enthaltenen archäologischen Objekte für externe Ausstellungszwecke befristet zu entleihen. Prinzipiell ist für magazinierte Objekte eine längere Leihdauer möglich als für jene Exponate, die gerade in den Dauerausstellungen des RGZM präsentiert werden. Die maximale Ausleihdauer von Sammlungsobjekten des RGZM beträgt jedoch generell nur 6 Monate. Sollte eine Überschreitung dieser Frist notwendig sein, müssen im Vorfeld Sonderkonditionen mit dem RGZM ausgehandelt werden. Für alle Ausleihen gelten alleine die vom RGZM festgelegten und genehmigten vertraglichen Regelungen.
Die geschäftliche Abwicklung des Leihverkehrs erfolgt durch die KuratorInnen, die entsprechend ihrer Zuständigkeitsbereiche auch gerne weiterführende Auskünfte erteilen.
Offizielle Leihanfragen können an die folgende E-Mail-Adresse gerichtet werden: sammlungen(at)rgzm.de
Alle Entleihvorgänge bedürfen letztlich einer direktorialen Freigabe, die mit der Zusendung der gesiegelten Leihverträge an den Leihnehmer erteilt ist.

 

Auswahlbibliographie zu Sammlungsbeständen des RGZM

  • Mechthild Schulze-Dörrlamm, Byzantinische Gürtelschnallen und Gürtelbeschläge im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 1. Die Schnallen ohne Beschläg, mit Laschenbeschläg und mit festem Beschläg des 5. bis 7. Jahrhunderts. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer  30,1 (2. Aufl., Mainz 2009).
  • Mechthild Schulze-Dörrlamm, Byzantinische Gürtelschnallen und Gürtelbeschläge im Römisch-Germanischen Zentralmuseum 2. Die Schnallen mit Scharnierbeschläg und die Schnallen mit angegossenem Riemendurchzug des 7. bis 10. Jahrhunderts. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer  30,2 (Mainz 2009).
  • Thomas Zimmermann, Die bronze- und früheisenzeitlichen Troiafunde der Sammlung Heinrich Schliemann im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 40 (Mainz 2007).
  • Ronald Bockius, Die spätrömischen Schiffswracks aus Mainz. Monographien des RGZM 67 (Mainz 2006).
  • Barbara Pferdehirt, Römische Militärdiplome und Entlassungsurkunden in der Sammlung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 37,1-2 (Mainz 2004).
  • Ulrich Schaaff, Münzen der römischen Kaiserzeit mit Schiffsdarstellungen im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 35 (Mainz 2003).
  • Martin Luik, Die Funde aus den römischen Lagern um Numantia im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 31 (Mainz 2003).
  • Susanna Künzl, Ein Komplex von Formschüsseln für Megarische Becher. Die "Mainzer Werkstatt". Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 32 (Mainz 2003).
  • Alessandro Naso, I Bronzi etruscia e italici del Römisch-Germanisches Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 33 (Mainz 2003).
  • Ernst Künzl, Medizinische Instrumente der römischen Kaiserzeit im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 28 (Mainz 2002).
  • Markus Egg / Christopher Pare, Die Metallzeiten in Europa und im Vorderen Orient. Die Abteilung Vorgeschichte im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 26 (2. Aufl., Mainz 2002).
  • Éva Garam, Die awarenzeitlichen Funde aus Ungarn im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 25 (Mainz 1991).
  • Franz Josef Hassel, Die Münzen der Römischen Republik im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 24 (Mainz 1985).
  • Barbara Deppert-Lippitz, Goldschmuck der Römerzeit im Römisch-Germanischen Zentralmuseum. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 23 (Mainz 1985).
  • Rolf-Heiner Behrends, Funde der Lausitzer Kultur im Römisch-Germanischen Zentralmuseum und in den Museen von Bamberg, Coburg und Frankfurt/M. Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer 21 (Mainz 1982).