Präsentation der für das Spurenlabor entwickelten Robotik im Rahmen des KUKA Innovation Awards auf der Hannover-Messe im Jahr 2015 (Foto: RGZM).
Präsentation der für das Spurenlabor entwickelten Robotik im Rahmen des KUKA Innovation Awards auf der Hannover-Messe im Jahr 2015 (Foto: RGZM).

Forschungsinfrastruktur:

Arbeitsbereich »Spurenlabor«

Menschliches Handeln hinterlässt Signaturen auf Gegenständen jeder Art. Die Auswertung derartiger Spuren gestattet es, für die benutzen Objekte regelrechte Biographien zu erstellen:

  • Wie ist der Gegenstand hergestellt worden?
  • Wie wurde er verwendet, eventuell umgearbeitet und letztlich deponiert?

Der methodische Apparat zur Dokumentation und Analyse solcher Oberflächenveränderungen ist bislang jedoch nur rudimentär entwickelt. Dies führt dazu, dass bisher vorliegende Einzelergebnisse zur Spurenanalyse größtenteils nicht miteinander vergleichbar sind und ihnen deshalb im wissenschaftlichen Diskurs nur eine nachgeordnete Bedeutung zugemessen wird.

So wurden bei der experimentellen Spurenerzeugung auf Oberflächen, die dazu dient Referenzobjekte für die Bewertung von Spuren an archäologischen Artefakte zu gewinnen, bis heute weder standardisierte Versuchsprotokolle, noch eine geeignete Robotik zur Produktion von Vergleichsserien unter kontrollierten Bedingungen entwickelt. Generell liegen umfassende Vergleichsserien in unterschiedlichen Materialien derzeit nicht vor. Hier setzt das RGZM an.

Aus experimentellen Untersuchungen zur Funktion von Steinartefakten sowie 3D-gestützten Untersuchungen paläolithischer Kunst erwuchs im Jahr 2013 das Konzept eines RGZM-Spurenlabors. Es befindet sich derzeit noch in der Aufbauphase. Mit seiner Einrichtung ist die Etablierung einer weltweit einzigartigen wissenschaftlichen Infrastruktur vorgesehen, die zur zentralen Anlaufstelle für Untersuchungen von mikroskopischen Spuren auf den Oberflächen unterschiedlichster Material-/Artefaktgattungen entwickelt werden soll. Ihr Kernstück ist die zukünftige Bereitstellung und Pflege einer zentralen Spurendatenbank als Teil der Forschungsdatenbanken des RGZM, in der herstellungstechnische , funktions- und anwendungsrelevante Spuren an Artefakten gesammelt und der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Dazu gilt es zunächst, bestehende Forschungen zum Thema zu bündeln und unter Einbeziehung natur- und ingenieurwissenschaftlicher Expertisen einen umfassenden Methodenapparat sowie Referenzbibliotheken zu erarbeiten, die der Wissenschaft neue Ebenen der Quellenkritik eröffnen.

Parallel zur Analyse von archäologischen Gegenständen wird mittels dokumentierter experimenteller Projekte zudem eine Vergleichssammlung archäologisch relevanter Spuren aufgebaut, die unter kontrollierten Laborbedingungen (z. B. Winkel, Kraft, Druck, Bewegungsablauf etc.) künstlich erzeugt wurden. Eine präzise Steuerung dieser Bedingungen wird insbesondere durch den Einsatz von Robotern erreicht, deren Prototypen u. a. in Kooperation mit der »Eidgenössische Technischen Hochschule (ETH) Zürich« entwickelt werden.

Mit dem Labor werden methodisch neue Wege im Bereich der archäologischen und naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung eingeschlagen, die die Aktivitäten in verschiedenen Kompetenz- und Arbeitsbereiche des RGZM überstützen und miteinander verbinden.

Materialspezialisierung

Das RGZM-Spurenlabor auf Schloss Monrepos bei Neuwied ist zunächst insbesondere spezialisiert auf die Analytik an

  • Stein
  • Knochen
  • Elfenbein
  • Holz

Ergänzend dazu finden Forschungen zu Spuren…

Für die drei genannten, eng miteinander vernetzten Forschergruppen gelten einheitliche methodische Standards bei der Dokumentation von Spuren und der Durchführung von Experimenten. Interne Workshops und internationalen Tagungen dienen dazu, diese neuen Ansätze zu evaluieren und allgemein zu verbreiten.